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Allergien

ErdnüsseBei einer Allergie reagiert das Immunsystem eines Menschen überempfindlich auf Substanzen wie beispielsweise Pollen (z. B. Blütenpollen, Gräserpollen) oder bestimmte Lebensmittel (z. B. Erdnüsse, Fisch, Milcheiweiß), die für andere Personen völlig harmlos sind. Substanzen, die eine allergische Reaktion auslösen können, werden Information Allergene genannt. Meistens handelt es sich bei den Allergenen um körperfremdes Eiweiß. Allergene können eingeatmet werden wie Pollen oder Hausstaub (Inhalationsallergen) oder mit der Nahrung aufgenommen werden (Nahrungsmittelallergene). Bei einer Kontaktallergie kommt das Allergen mit der Haut in Berührung (Kontaktallergene), während z. B. bei einem Insektenstich das Allergen injiziert wird (Injektionsallergene).

Bei Allergien werden vier Typen allergischer Reaktionen unterschieden.

Typ 1 (Soforttyp oder anaphylaktischer Typ)

Hier reagiert nach einer Sensibilisierung der Körper unmittelbar auf ein Allergen.

Sensibilisierung

Kommen entsprechend veranlagte Personen mit Information Allergenen (wie z. B. Blütenpollen) in Kontakt werden in weißen Blutkörperchen (griechisch Leukozyten) Immunglobuline E (IgE) gebildet (Abbildung 1). Diese Immunglobuline der Klasse E sind sogenannte „Antikörper“, genauso wie die anderen Immunglobuline der Klassen A, D, M und G. Die Immunglobuline E (IgE) heften sich an die Oberfläche von Mastzellen und Granulozyten (Abbildung 1). Granulozyten und Mastzellen zählen ebenfalls zu den weißen Blutkörperchen. Weiße Blutkörperchen erhielten ihren Namen, weil sie unter dem Mikroskop weiß aussehen.

Sensibilisierung beim Soforttyp

Abbildung 1: Sensibilisierung beim Soforttyp (nach Brockhaus 2008 und Pflege heute 2014)

Erneuter Kontakt

Bei einem erneuten Kontakt bindet das Information Allergen an die Immunglobuline E (IgE). Die Allergen-Antikörper-Verbindung regt die Mastzellen zum Ausschütten u. a. von Histamin an (Abbildung 2). Durch das Histamin kommt es innerhalb von Sekunden oder Minuten zur Ausbildung von allergischen Reaktionen wie Hautrötungen, allergischem Schnupfen oder in seltenen Fällen einen anaphylaktischen Schock auslösen. Ohne die sofortige Gabe von Notfallmedikamenten kann ein anaphylaktischer Schock lebensbedrohlich sein.

Auslösen einer allergischen Reaktion

Abbildung 2: Auslösen einer allergischen Reaktion (nach Pflege heute 2014)

Mögliche allergische Reaktionen beim Typ 1

Punkt Hautrötung
Punkt Schwellung
Punkt Juckreiz
Punkt Allergische Bindehautentzündung
Punkt Allergischer Schnupfen
Punkt Allergisches Asthma
Punkt Anaphylaktischer Schock

Typ 2 (zytotoxischer Typ)

Bei diesem Allergietyp lagern sich Allergene direkt an Zellen an. Die Antikörper (meist Immunoglobuline G) binden an die zellwandständigen Antigene (Abbildung 3). Diese aktivieren die zur Immunabwehr gehörenden zytotoxischen Killerzellen (Tc-Zellen) oder Komplement. Komplement ist eine Bezeichnung für mindestens 20 verschiedene → Proteinen, die bei Säugetieren (also auch Menschen) das Komplement-System bilden. Die Eiweiße des Komplement-Systems haben unterschiedliche Wirkung: Einige schädigen direkt die Zellwände eines Krankheitserregers, andere sind in der Lage Abwehrzellen zum Infektionsort zu locken und Fresszellen zu aktivieren, die die Keime zerstören.
Nach einigen Minuten oder Stunden lösen sich die körpereigenen Zellen mit den angelagerten Allergenen auf.

Schema der Immunreaktion bei Typ 2

Abbildung 3: Schema der Immunreaktion bei Typ 2 (nach Pflege heute 2014)

Typ 3 (Immunkomplextyp, Arthus-Typ)

Bei dem Typ binden Antikörper (IgG, IgM) an die Allergen und bilden einen Immunkomplex. Dieser Immunkomplex kann sich in Gewebe z. B. von Organen einlagern. Nach der Aktivierung des Komplements (siehe Typ 2) kommt es zu Gewebeschädigungen. Die Reaktionszeit beträgt etwa 6-12 Stunden (Quelle Pschyrembel 2013).

Typ 4 (Spättyp)

Bei diesem Allergietyp werden Immunzellen (die T-Zellen) sensibilisiert. Bei dem zweiten Kontakt mit dem Allergen schütten die Immunzellen Botenstoffe aus, die weitere Immunzellen (Makrophagen) aktivieren, die zu Gewebeschädigung führen. Die Reaktionszeit bei diesem Allergietyp beträgt 12-72 Stunden (Quelle Pschyrembel 2013). Zu diesem Allergietyp gehören Kontaktallergien und die Abstoßungsreaktion auf ein transplantiertes Organ.

Nahrungsmittelallergie

Nahrungsmittelallergien können zum Typ 1 und 4 gehören. Häufig löst nur ein einziges Lebensmittel wie Milcheiweiß, Soja, Hühnerei, Erdnüsse oder auch Fisch eine allergische Reaktion aus. Manchmal besteht aber auch eine Allergie gegen eine ganze Pflanzenfamilie (→ Kreuzallergie). Bei einer Nahrungsmittelallergie sind folgende allergische Reaktionen möglich:

Magen-Darm-Beschwerden (Bauchschmerzen, → Durchfall, → Übelkeit, → Erbrechen, → Verstopfung)
Hautausschläge und Hauterkrankungen (Rötungen, Anschwellen des Gesichtes, Ekzeme, Neurodermitis)
Atemwegserkrankungen (Fließschnupfen, Husten, Atemnot, Asthma)
Anaphylaktischer Schock.

Ernährung bei Nahrungsmittelallergie

Werden Personen mit einer Allergie versorgt, heißt das in der Regel, dass die betreffenden Lebensmittel vollständig vom Speiseplan gestrichen werden. Dabei sollte nach wie vor auf eine möglichst abwechslungsreiche Ernährung geachtet werden. Da bei einigen Lebensmittelallergien Spuren ausreichen, um eine allergische Reaktion auszulösen, ist bei der Zubereitung von Speisen allergrößte Sorgfalt vonnöten. Der Deutscher Allergie- und Asthmabund weist darauf hin, dass einige Allergene durch Verarbeitungsschritte wie Erhitzen, Zerkleinern oder Säuern zerstört werden können. In diesem Fall vertragen Apfelallergiker Apfelkuchen oder Apfelkompott (Quelle: Sie verlassen die Internetseite Deutscher Allergie- und Asthmabund: Lebensmittelallergie). Gerade bei der Versorgung von Kindern ist der Austausch mit den Eltern über Lebensmittel, die vertragen, oder in jedem Fall vermieden werden müssen, wichtig. Darüber hinaus gibt es Medikamente, sogenannte Antihistaminika, die gegen die Symptome einer Allergie helfen.
Um allergische Personen vor eine Immunreaktion des Körpers zu schützen, müssen die 14 häufigsten Auslöser von Allergien und Unverträglichkeiten bei Lebensmitteln gekennzeichnet werden (→ Lebensmittelkennzeichnung).

Kreuzallergien

Leiden Personen an Heuschnupfen, kann es vorkommen, dass sie ebenfalls gegen ähnliche aufgebaute Substanzen (meist Eiweißbestandteile) in bestimmte Lebensmitteln allergisch reagieren. So vertragen die Hälfte der Birkenpollen-Allergiker beispielsweise keine Äpfel und Birnen und Personen mit einer Beifußpollen-Allergie reagieren teilweise ebenfalls allergisch auf Kräuter wie Basilikum, Chili und Paprikagewürz oder Sellerie. Auch bei einer Latex-Allergie kann es zu Kreuzallergie beispielsweise mit Ananas, Avocado oder Banane kommen.

Beispiele für Kreuzallergien:

Allergie­auslöser Kreuz­allergie mit Nahrungs­mitteln
(Auswahl der genannten Lebensmittel. Die Angaben unterscheiden sich teilweise sehr stark zwischen den Quellen).
Baum- und Sträucher­pollen wie Birke, Erle, Hasel - Schalen­früchte wie Haselnuss, Walnuss und Mandel
- Kern- und Steinobst (roh) wie Apfel, Aprikose, Birne, Kirsche, Pfirsich und Pflaume.
- Erdbeere
- Selten Kiwi, Litschi oder Avocado
Beifußpollen - Häufig Sellerie
- Gewürze und Kräuter wie Pfeffer, Chili, Fenchel, Kamille, Anis, Koriander, Liebstöckel, Kümmel, Petersilie, Dill und Basilikum, Majoran, Oregano, Thymian
- Gemüse wie Tomate, Paprika und rohe Karotte
- Vereinzelt Estragon und Sonnen­blumen­kerne
- Chrysanthemen und Löwenzahn
Getreide- und Gräserprollen - Hülsen­früchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen
- Getreide­körner, Getreide­mehle
- Nacht­schatten­gewächse wie Tomaten und Kartoffeln
- Erdnüsse
Haus­taub­milben - Krusten­tiere
Latex-Allergie - Bananen

Auswirkungen auf die Ernährung

Nicht alle Pollenallergiker bilden Kreuzallergien gegen alle Lebensmittel aus. Häufig lösen nur einige Lebensmittel Beschwerden aus. Der Deutschen Allergie- und Asthmabund gibt auf der Internetseite hilfreiche Tipps. So lösen teilweise ältere Apfelsorten wie Minister von Hammerstein, Gloster oder Altländer keine allergischen Reaktionen aus. In einigen Fällen nützt es das Obst oder Gemüse zu erhitzen, so besteht die Möglichkeit erhitzte Obstsäfte oder Kompott, oder auch Tomatensoße und Möhrengemüse anzubieten. Einigen Personen vertragen Lebensmittel, die eine Kreuzallergie auslösen während der Zeit des Pollenfluges schlechter.

Pseudoallergien

Bei einer Pseudoallergie werden keine spezifischen Antikörper gebildet und es findet keine vorhergehende Sensibilisierung statt. Das heißt, eine pseudoallergische Reaktion kann bereits beim ersten Kontakt mit der auslösenden Subtanz auftreten. Die Krankheitszeichen ähneln denen einer allergischen Reaktion, dazu zählen u. a. → Übelkeit, Erbrechen, → Durchfall, Fließschnupfen, Asthma und/oder Hautausschläge. Die Ausprägung der Symptome ist abhängig von der Menge, die von einer Substanz verzehrt wird.

Auslöser für eine Pseudoallergie sind beispielsweise:

Biogene Amine (z. B. Histamin, Tyramin und Serotonin) sind Stoffwechselprodukte im Eiweißstoffwechsel und kommen natürlicherweise in Lebensmitteln vor. Sie sind beispielsweise in fermentierten und leicht verderblichen Lebensmitteln wie Sauerkraut, → Fisch, Fleisch, Wurst, → Käse, Sojasoße und Hefeextrakt enthalten. Serotonin kommt in Bananen, Ananas (→ Obst) und Walnüssen vor. In Schokolade steckt Phenylethylamin und bei Tomaten lässt sich Tryptamin nachweisen.
Salicylate: Sind z. B. in Aprikosen, Ananas, Beerenfrüchte oder Weintrauben enthalten.
Konservierungsstoffe wie Benzoesäure (E 210) und Natriumdisulfit (E 223).
Farbstoffe wie Tartrazin (E 102) und Gelborange S (E 110).
Antioxidationsmittel
Geschmacksverstärker
Aromastoffe
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Interessante Links

Sie verlassen die Internetseite Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (Hrsg.): Welche Allergietests gibt es? Zugriff am 8.6.2016
Sie verlassen die Internetseite Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. http://www.daab.de
Sie verlassen die Internetseite Elternratgeber der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.
Sie verlassen die Internetseite Hildegard Przyrembel - Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Allergische und nicht-allergische Lebensmittelunverträglichkeiten. 2007

Quellen:

Sie verlassen die Internetseite Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG (Hrsg.): IgE – Immunglobuline E: Gegner von Parasiten. Zugriff am 7.6.2016
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Sie verlassen die Internetseite Weiß, Dipl. oec. troph. Claudia: Biogene Amine. Ernährungs Umschau 3/09, Seite 172-179. Zugriff am 9.6.2016
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Der Brockhaus Ernährung. Gesund essen, bewusst leben. F.A. Brockhaus/wissenmedia in der immediaONE] GmbH München 2011
Der Brockhaus Ernährung. Gesund essen, bewusst leben. F.A. Brockhaus GmbH Leipzig, Mannheim 2008
Der Brockhaus Ernährung. Gesund essen, bewusst leben. F.A. Brockhaus GmbH Leipzig, Mannheim 2001
Biesalski, Hans Konrad; Grimm, Peter; Nowitzki-Grimm, Susanne: Taschenatlas Ernährung. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart 2015
Pflege heute, Lehrbuch für Pflegeberufe, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, Lektorat Pflege, München 2014
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014. 265. Auflage. Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston 2013

Ausführliche Quellenangaben



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