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Süßstoff

Süßstoff-TablettenSüßstoffe besitzen ein Vielfaches der Süßkraft von Zucker, liefern praktisch keine Kalorien und schädigen nicht die Zähne. Anders als bei → Zucker­austausch­stoffen führt der Konsum von Süßstoff nicht zu Durchfall. Wegen ihrer hohen Süßkraft werden zum Süßen nur geringe Mengen Süßstoff eingesetzt. Deshalb lassen sich Süßstoffe nicht wie Haushaltszucker verarbeiten und schmecken auch nicht genauso. Saccharin beispielsweise hat einen leicht bitteren, metallischen Nachgeschmack. In einigen Produkten werden verschiedene Süßstoffe kombiniert, wobei die Mischungen eine höhere Süßkraft besitzen als die Summe der eingesetzten Süßstoffe.

Kennzeichnung

In der EU wird bei den Lebensmittel­zusatzstoffen nicht zwischen Süßstoffen (intense sweetener) und Zucker­austausch­stoffen (bulk sweetener) unterschieden, sondern beide unter dem Begriff „Süßungsmittel“ zusammengefasst. Seit dem 13. Dezember 2014 gilt diese Regelung auch in Deutschland [2]. Lebensmittel, die Süßstoff oder Zucker­austausch­stoff enthalten, müssen den Hinweis „mit Süßungsmittel(n)“ tragen [3].

Lebensmittel, die mit Aspartam und Aspartam-Acesulfam­salz gesüßt sind, müssen mit dem Hinweis „Enthält eine Phenyl­alanin­quelle“ gekennzeichnet sein. Die Information ist für Menschen mit Phenylketonurie (PKU) besonders wichtig, die eine strenge Phenylalanin-arme Diät einhalten müssen [3] [4].

Zulassung einzelner Süßstoffe

Saccharin ist der älteste heute gebräuchliche Süßstoff. Er wurde 1878 vom deutschen Chemiker Dr. Constantin Fahlberg entdeckt. Später kamen Cyclamat, Aspartam und Acesulfam hinzu. Neotam darf seit Januar 2010 in Lebensmitteln eingesetzt werden. Im November 2011 hat die EU-Kommission Süßstoff aus den Blättern der Pflanze Stevia rebaudiana (Steviolglykoside) als → Zusatzstoff zugelassen. Advantam erhielt im Juni 2014 die europaweite Zulassung und darf seitdem verwendet werden. Außergewöhnlich ist die sehr hohe Süßkraft von Advantam, die bis zu 37.000 höher als von gewöhnlichem Haushaltszucker (Saccharose) sein kann.

Zurzeit sind in der Europäischen Gemeinschaft 19 Süßungsmittel zugelassen. Elf der Süßungsmittel zählen zu den Süßstoffen.

  E-Nummer Energie Süß­kraft
Haus­halts­zucker (Sac­charose)   4,1 kcal pro 1 g 1
Acesulfam K E 950 Keine Kalorien 200
Advantam E 969 Keine Kalorien 37.000
Aspartam E 951 4 kcal pro 1 g 200
Aspartam-Acesulfam­salz E 962 Nahezu keine Kalorien 350
Cyclamat E 952 Nahezu keine Kalorien 30 bis 40
Neo­hesperidin DC E 959 Keine Kalorien 1.000 bis 1.800
Neotam E 961 Durch die hohe Süß­kraft kann der Kalorien­gehalt ver­nach­lässigt werden. 7.000 bis 13.000
Saccharin E 954 Keine Kalorien 300 bis 500
Steviol­glykoside E 960 keine Kalorien 200 bis 300
Sucralose E 955 Keine Kalorien 600
Thaumatin E 957 4 kcal pro 1g 2.000 bis 3.000

Tabelle 1: Vergleich der Süßkraft von Zucker und verschiedenen Süßstoffen [1]

ADI-Wert

Bevor ein Süßstoff in den Verkehr gebracht werden darf, wird seine gesundheitliche Unbedenklichkeit überprüft. Dabei wird auch eine tägliche akzeptable Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake, ADI) festgelegt. Die akzeptable Menge wird in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht angegeben und gilt auch dann noch als gesundheitlich unbedenklich, wenn die Menge ein ganzes Leben lang aufgenommen wird. Im Allgemeinen wird die Höchstmenge kaum erreicht, wenn Süßstoff in den allgemein üblichen Mengen verwendet wird.
Cyclamat beispielweise hat einen ADI-Wert von 7 mg/kg Körpergewicht und Tag. Bei einem Körpergewicht von 70 kg entspricht das einer täglichen Menge von bis zu 490 mg. Wenn eine handelsübliche Süßstofftablette 4 mg Saccharin und 40 mg Natriumcyclamat enthält, dürfen täglich 12,25 Süßstofftabletten verzehrt werden, um den ADI-Wert von Cyclamat zu erreichen. Gelegentliche kurzfristige Überschreitungen dieses Wertes sind nach Aussage des BfR gesundheitlich unbedenklich (Sie verlassen die Internetseite Bewertung von Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen, Information des BfR vom 1. Juli 2014).

  ADI-Wert [mg/kg Körper­gewicht und Tag]
Acesulfam K 9
Advantam 5
Aspartam 40
Aspartam-Acesulfam-Salz Keine Beschränkung ("Acceptable")
Cyclamat 7
Neohesperidin DC 5
Neotam 2
Saccharin 5
Steviolglykoside 4
Sucralose 15
Thaumatin Keine Beschränkung ("Acceptable")

Tabelle 2: ADI-Werte der verschiedenen Süßstoffe [2]

Steviolglycoside

Die Pflanzen, aus denen der Süßstoff gewonnen wird, wachsen in Südamerika und zunehmend auch in Asien. Für die Gewinnung der Steviolglykoside werden zunächst getrocknete Steviablätter in Wasser eingeweicht und danach in einem mehrstufigen Verfahren ein weißes Pulver mit hoher Süßkraft hergestellt. In der "VERORDNUNG (EU) Nr. 1131/2011 DER KOMMISSION vom 11. November 2011 zur Änderung von Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich Steviolglycosiden" (Sie verlassen die Internetseite Zur Verordnung) sind die festgelegten Höchstmengen und Beschränkungen einzusehen. So ist für Speiseeis beispielsweise eine Höchstmenge von 200 mg/kg Steviolglycoside festgelegt. Für Kakao- und Schokoladeprodukte liegt sie bei 270 mg/kg und für Kaugummi gilt eine Höchstmenge von 3.300 mg/kg.

Geschichtliches

Süßstoffe sind keine neue Erfindung, allerdings galt es anfänglich noch, sich vor Verfälschungen von Nahrungs- und Genussmitteln durch Süßstoff zu schützen.
Ein Gesetz betreffend den Verkehr mit künstlichen Süßstoffen trat am 1. Oktober 1898 in Kraft, es schränkte die Verwendung von Süßstoffen erheblich ein. In § 1 wird Süßstoff wie folgt definiert:

"Künstliche Süßstoffe im Sinne dieses Gesetzes sind alle auf künstlichem Wege gewonnenen Stoffe, welche als Süßungsmittel dienen können und eine höhere Süßkraft als raffinierter Rohr- oder Rübenzucker, aber nicht entsprechende Nährwerte besitzen" (aus: Jutta Grüne: Anfänge staatlicher Lebensmittelüberwachung in Deutschland).

Im Reichsgesetz vom 7. Juli 1902 wird die Herstellung, die Verwendung bei der gewerblichen Nahrungs- oder Genussmittelherstellung, ihre Einführung aus dem Ausland und das Feilhalten sowie der Verkauf von Süßstoff oder süßstoffhaltigen Nahrungsmitteln verboten. Für Zuckerkranke wurden allerdings Ausnahmen eingeräumt. So ist der Verkauf unter eingeschränkten Bedingungen in Apotheken gestattet. Süßstoff darf auch an Personen abgegeben werden, die eine amtliche Erlaubnis besitzen (z. B. zu wissenschaftlichen Zwecken). Während des Ersten Weltkrieges wurden wegen des Zuckermangels die Bestimmungen des Süßstoffgesetzes außer Kraft gesetzt.

Im Süßstoffgesetz vom 14. Juli 1926, das am 1. September 1926 in Kraft trat, wurde eine Süßstoffsteuer eingeführt.

Interessante Links

Sie verlassen die Internetseite Richtlinie 94/35/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Juni 1994 über Süßungsmittel, die in Lebensmitteln verwendet werden dürfen.
Sie verlassen die Internetseite Statement of EFSA: Revised exposure assessment for steviol glycosides for the proposed uses as food additive, EFSA Journal 2011;9(1):1972
Sie verlassen die Internetseite Der Stevia Ratgeber - eine Pflanze auf Siegeszug. Der Ratgeber kann kostenlos als PDF-Datei [2,9 MB] runtergeladen werden.

Quellen:

[1] Sie verlassen die Internetseite Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2014): Süßungsmittel Advantam zugelassen. Zugriff 1.8.2017
[2] Sie verlassen die Internetseite Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Bewertung von Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen, Information des BfR vom 1. Juli 2014
[3] Sie verlassen die Internetseite Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände - Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv): Süße Zusatzstoffe: Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe. Zugriff 1.8.2017
[4] Sie verlassen die Internetseite Deutsche Apotheker Zeitung: Süße Alternativen. Zugriff 1.8.2017
Sie verlassen die Internetseite Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (efsa): Süßungsmittel. Zugriff 1.8.2017
Sie verlassen die Internetseite Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (efsa): Aspartam. Zugriff 1.8.2017
Sie verlassen die Internetseite Deutscher Süssstoffverband e. V.: Detaillierte Beschreibung der einzelnen Süßstoffe
Sie verlassen die Internetseite Deutscher Süssstoffverband e. V.: NEOTAM. Zugriff 1.8.2017
Sie verlassen die Internetseite Deutscher Süssstoffverband e. V.: Steviolglycoside "Stevia". Zugriff 1.8.2017
Sie verlassen die Internetseite Süßstoffe, Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909
Sie verlassen die Internetseite VERORDNUNG (EU) Nr. 1131/2011 DER KOMMISSION vom 11. November 2011 zur Änderung von Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich Steviolglycosiden
Sie verlassen die Internetseite Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Süßstoffe in der Ernährung. Zugriff 1.8.2017
Sie verlassen die Internetseite Bundeszentrum für Ernährung: Süßende Lebensmittel und Süßungsmittel. Zugriff 1.8.2017
Sie verlassen die Internetseite Bundeszentrum für Ernährung: Steviakraut und Stevia-Extrakte. Zugriff 1.8.2017
Sie verlassen die Internetseite Global Stevia Institute: Im Inneren des Stevia-Blatt. Zugriff 1.8.2017
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014, 265. Auflage, 2013
Franz Binder, Josef Wahler: Zucker - der süße Verführer, 2004
Jutta Grüne: Anfänge staatlicher Lebensmittelüberwachung in Deutschland, 1994
Prof. Dr. A. Beythien und Ernst Dreßler (HG ), Mercks Warenlexikon. 1920
Lilo Berg: Keine Kalorien, keine Karies, Natürliche Süße Stevia erhält EU-Zulassung, Frankfurter Rundschau 18. November 2011

Ausführliche Quellenangaben


Startseite | Impressum |  Letzte Aktualisierung:  01.08.2017