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Süßstoff

Süßstoff-TablettenSüßstoffe besitzen ein Vielfaches der Süßkraft von Zucker, liefern praktisch keine Kalorien und schädigen nicht die Zähne. Anders als Zuckeraustauschstoffe führt der Konsum von Süßstoff nicht zu Durchfall. Allerdings lassen sich Süßstoffe wegen ihrer geringen Mengen nicht wie Zucker verarbeiten und schmecken auch nicht genauso. In einigen Produkten werden verschiedene Süßstoffe kombiniert, wobei die Mischungen eine höhere Süßkraft besitzen als die Summe der eingesetzten Süßstoffe.

Saccharin ist der älteste heute gebräuchliche Süßstoff. Er wurde 1878 vom deutschen Chemiker Dr. Constantin Fahlberg entdeckt. Später kamen Cyclamat, Aspartam und Acesulfam hinzu. Neotam darf seit Januar 2010 in Lebensmitteln eingesetzt werden. Im November 2011 hat die EU-Kommission Süßstoff aus den Blättern der Pflanze Stevia rebaudiana (Steviolglykoside) als → Zusatzstoff zugelassen. Die Verordnung tritt am 2. Dezember in Kraft.
Neben allen positiven Eigenschaften stehen einige Süßstoffe im Verdacht, gesundheitliche Auswirkungen zu haben. So schreibt der Pschyrembel über Aspartam, dass er eventuell bei regelmäßiger Zufuhr den Appetit anregt. Saccharin wird verdächtigt, bei extrem hohen Dosen das Krebswachstum zu fördern. Die kanzernogene (krebsfördernde) Wirkung von Cyclamat konnte bisher nicht bewiesen werden.

Zurzeit sind in der Europäischen Gemeinschaft neun Süßstoffe zugelassen.

  E-Nummer Energie Süß­kraft
Zucker (Sac­charose)   4,1 kcal pro 1 g 1
Acesulfam K E 950 Keine Kalorien 200-fach
Aspartam E 951 4 kcal pro 1 g 200-fach
Aspartam-Acesulfam-Salz E 962 Nahezu keine Kalorien 350-fach
Cyclamat E 952 Nahezu keine Kalorien 35-fach
Neo­hesperidin DC E 959 Keine Kalorien 400- bis 600-fach
Neotam E 961 Durch die hohe Süß­kraft kann der Kalorien­gehalt ver­nach­lässigt werden. 7.000- bis 13.000-fach
Saccharin E 954 Keine Kalorien 550-fach
Steviol­glykoside E 960 keine Kalorien 200- bis 300-fach
Sucralose E 955 Keine Kalorien 600-fach
Thaumatin E 957 4 kcal pro 1g 2.000- bis 3.000-fach

Tabelle 1: Vergleich der Süßkraft von Zucker und verschiedenen Süßstoffen

ADI-Wert

Bevor ein Süßstoff in den Verkehr gebracht werden darf, wird seine gesundheitliche Unbedenklichkeit überprüft. Dabei wird auch eine tägliche akzeptable Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake, ADI) festgelegt. Die akzeptable Menge wird in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht angegeben und gilt auch dann noch als gesundheitlich unbedenklich, wenn die Menge ein ganzes Leben lang aufgenommen wird. Im Allgemeinen wird die Höchstmenge kaum erreicht, wenn Süßstoff in den allgemein üblichen Mengen verwendet wird.
Cyclamat beispielweise hat einen ADI-Wert von 7 mg/kg Körpergewicht. Bei einem Körpergewicht von 70 kg entspricht das einer täglichen Menge von bis zu 490 mg. Wenn eine handelsübliche Süßstofftablette 4 mg Saccharin und 40 mg Natriumcyclamat enthält, dürfen täglich 12,25 Süßstofftabletten verzehrt werden, um den ADI-Wert von Cyclamat zu erreichen. Gelegentliche kurzfristige Überschreitungen dieses Wertes sind nach Aussage des BfR gesundheitlich unbedenklich (Sie verlassen die Internetseite Bewertung von Süßstoffen, Information des BfR vom 21. August 2003).

  ADI-Wert [mg/kg Körper­gewicht]
Acesulfam K 0-9
Aspartam 0-40
Aspartam-Acesulfam-Salz Keine Beschränkung
Cyclamat 0-7
Neohesperidin DC 0-5
Neotam 0-2
Saccharin 0-5
Steviolglykoside 4
Sucralose 0-15
Thaumatin Keine Beschränkung

Tabelle 2: ADI-Werte der verschiedenen Süßstoffe

Steviolglycoside

Die Pflanzen aus denen der Süßstoff gewonnen wird, stammen aus Südamerika und Asien. Die Blätter werden in heißem Wasser eingeweicht, das wässrige Extrakt konzentriert und gereinigt. Anschließend wird das Produkt getrocknet und kristallisiert. Am Ende erhält man ein weißes oder leicht gelbliches Pulver mit hoher Süßkraft. In der "VERORDNUNG (EU) Nr. 1131/2011 DER KOMMISSION vom 11. November 2011 zur Änderung von Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich Steviolglycosiden" (Sie verlassen die Internetseite Zur Verordnung) sind die festgelegten Höchstmengen und Beschränkungen einzusehen. So ist für Speiseeis beispielsweise eine Höchstmenge von 200mg/kg Steviolglycoside festgelegt. Für Kakao- und Schokoladeprodukte liegt sie bei 270 mg/kg und für Kaugummi gilt eine Höchstmenge von 3300 mg/kg.

Geschichtliches

Süßstoffe sind keine neue Erfindung, allerdings galt es anfänglich noch, sich vor Verfälschungen von Nahrungs- und Genussmitteln durch Süßstoff zu schützen.
Ein Gesetz betreffend den Verkehr mit künstlichen Süßstoffen trat am 1. Oktober 1898 in Kraft, es schränkte die Verwendung von Süßstoffen erheblich ein. In § 1 wird Süßstoff wie folgt definiert:

"Künstliche Süßstoffe im Sinne dieses Gesetzes sind alle auf künstlichem Wege gewonnenen Stoffe, welche als Süßungsmittel dienen können und eine höhere Süßkraft als raffinierter Rohr- oder Rübenzucker, aber nicht entsprechende Nährwerte besitzen" (aus: Jutta Grüne: Anfänge staatlicher Lebensmittelüberwachung in Deutschland).

Im Reichsgesetz vom 7. Juli 1902 wird die Herstellung, die Verwendung bei der gewerblichen Nahrungs- oder Genussmittelherstellung, ihre Einführung aus dem Ausland und das Feilhalten sowie der Verkauf von Süßstoff oder süßstoffhaltigen Nahrungsmitteln verboten. Für Zuckerkranke wurden allerdings Ausnahmen eingeräumt. So ist der Verkauf unter eingeschränkten Bedingungen in Apotheken gestattet. Süßstoff darf auch an Personen abgegeben werden, die eine amtliche Erlaubnis besitzen (z. B. zu wissenschaftlichen Zwecken). Während des Ersten Weltkrieges wurden wegen des Zuckermangels die Bestimmungen des Süßstoffgesetzes außer Kraft gesetzt.

Im Süßstoffgesetz vom 14. Juli 1926, das am 1. September 1926 in Kraft trat, wurde eine Süßstoffsteuer eingeführt.

Interessante Links

Sie verlassen die Internetseite Richtlinie 94/35/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Juni 1994 über Süßungsmittel, die in Lebensmitteln verwendet werden dürfen.
Sie verlassen die Internetseite International Sweeteners Association (ISA): http://www.sweeteners.org/Index.asp?l=de
Sie verlassen die Internetseite Statement of EFSA: Revised exposure assessment for steviol glycosides for the proposed uses as food additive, EFSA Journal 2011;9(1):1972
Sie verlassen die Internetseite Der Stevia Ratgeber - eine Pflanze auf Siegeszug. Der Ratgeber kann kostenlos als PDF-Datei [2,9 MB] runtergeladen werden.

Quellen:

Sie verlassen die Internetseite Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Bewertung von Süßstoffen, Information des BfR vom 21. August 2003
Sie verlassen die Internetseite Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Süßstoffe in der Ernährung, 02.05.2007
Sie verlassen die Internetseite Süßstoffverband e. V.: Detaillierte Beschreibung der einzelnen Süßstoffe
Sie verlassen die Internetseite Süßstoffverband e. V.: Datenblatt: NEOTAM, 01/2010
Sie verlassen die Internetseite aid was wir essen: Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe
Sie verlassen die Internetseite Süßstoffe, Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909
Sie verlassen die Internetseite VERORDNUNG (EU) Nr. 1131/2011 DER KOMMISSION vom 11. November 2011 zur Änderung von Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates hinsichtlich Steviolglycosiden
Sie verlassen die Internetseite Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): FACT SHEET: Steviol glycosides (INS 960), 5.11.2008
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2011, 262. Auflage, 2010
Franz Binder, Josef Wahler: Zucker - der süße Verführer, 2004
Jutta Grüne: Anfänge staatlicher Lebensmittelüberwachung in Deutschland, 1994
Prof. Dr. A. Beythien und Ernst Dreßler (HG ), Mercks Warenlexikon. 1920
Lilo Berg: Keine Kalorien, keine Karies, Natürliche Süße Stevia erhält EU-Zulassung, Frankfurter Rundschau 18. November 2011

Ausführliche Quellenangaben


Startseite | Impressum |  Letzte Aktualisierung:  01.07.2016