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Laktoseintoleranz / Milch­zucker­unverträg­lichkeit

Autorin: Christine Pahmeyer (Bachelor of Science in Ökotrophologie)

Kurz erklärt

MilchIn Deutschland leiden etwa 10-20 % der Erwachsenen unter einer Milchzuckerunverträglichkeit. In weiten Teilen Afrikas und Asiens sind es sogar 50-100 % der erwachsenen Bevölkerung. Dabei ist die angeborene Laktoseintoleranz (absolute Laktoseintoleranz) die seltenste. Bei den meisten Menschen nimmt im Laufe ihres Lebens die Aktivität des Enzyms Laktase ab. Das Enzym ist notwendig, um den in der Milch enthaltenen Zucker (Milchzucker/Laktose = Zweifachzucker/Disaccharid → Kohlenhydrate) in seine Einzelbestandteile Glukose und Galaktose zu spalten. Ist das Enzym Laktase nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden, gelangt die Laktose in den Dickdarm. Dort löst der für die Darmbakterien ungewohnte Milchzucker Blähungen, Durchfälle und Bauchkrämpfe aus.

Eine Intoleranz wird häufig mit einer Pseudo-Allergie übersetzt, das heißt, dass der Körper auf ein bestimmtes Lebensmittel reagiert. Die zugeführte Substanz kann also nicht oder nicht in ausreichender Menge verarbeitet werden.

Ursache

Die Ursachen, warum Menschen im Laufe ihres Lebens weniger Laktase produzieren, sind vielfältig. Bei der angeborenen Laktoseintoleranz (absolute Laktoseintoleranz) wird von Geburt an keine Laktase gebildet. Die häufigste Form der Laktoseintoleranz ist die erblich bedingte Abnahme des Enzyms Laktase nach dem Abstillen. Durch Vorerkrankungen wie z. B. einer bakteriellen Magen-Darm-Entzündung, → Zöliakie oder das Kurzdarmsyndrom kann sich eine Laktoseintoleranz (sekundären Laktoseintoleranz) bilden. Die Darmwand ist durch die Vorerkrankung geschädigt und eine Laktoseintoleranz kann ausgebildet werden. Außerdem kann chronischer Alkoholmissbrauch, Mangelernährung oder eine Chemotherapie die Produktion des Enzyms Laktase einschränken. Weltweit vertragen die meisten Menschen keine Laktose. Durch eine vererbte Mutation gelingt es vor allem Menschen in Nordeuropa und Nordamerika Laktose auch nach dem Säuglingsalter zu verstoffwechseln.

Der nicht abgebaute Milchzucker gelangt in den Dickdarm, dort sind die ansässigen Bakterien nicht gewohnt, Zucker zu resorbieren. Die ungewohnte Laktose wird im Dickdarm bakteriell zu kurzkettigen organischen Säuren wie Milchsäure, Essigsäure und Kohlendioxid abgebaut. Es strömt viel Wasser in den Darm und die Darmbewegung wird angeregt.

Symptome

Je nach ausgeprägter Intensität der Krankheit und je nach aufgenommener Menge an Laktose reagiert der Körper mit unterschiedlichen Symptomen. Die häufigsten sind Blähungen, Durchfall, Bauchkrämpfe und Übelkeit. Wird die Ursache für die Symptome nicht gefunden, kann es langfristig zu Gewichtsverlust, → Vitamin-, → Kalzium-, oder Eiweißmangel (→ Proteine) und ggf. weiteren Mangelerscheinungen kommen. Da das Krankheitsbild sehr individuell ausgeprägt sein kann, sollte jeder Patient selbst austesten, welche Mengen an Laktose vertragen werden und welche Symptome bei ihm typisch sind.

Diagnose

Um herauszufinden, welche Ursache die Beschwerden eines Patienten haben, gibt es den H2-Atemtest (auch Hydrogen-Atem-Test, H2-Exhalationstests oder Wasserstoffatomtest) und das Messen des Blutzuckers. Bei beiden Testverfahren wird dem Patienten eine größere Menge Laktose verabreicht. Die 50 g Laktose werden zuvor z. B. in Wasser gelöst. Anschließend wird der Anstieg des Wasserstoff-Gehalts in der Atemluft gemessen. Befindet sich mehr als 20 ppm Wasserstoff in der Atemluft, kann mit ziemlicher Sicherheit von einer Laktoseintoleranz ausgegangen werden.

Beim Blutzucker-Messverfahren wird getestet, wie weit der Blutzucker nach der Einnahme der Laktose ansteigt. Bleibt ein Anstieg des Blutzuckers komplett aus oder steigt er nur leicht an (Blutzuckeranstieg von weniger als 20 mg/dl), kann von einer Laktoseintoleranz ausgegangen werden.

Behandlung / Therapie

Da es sich bei der Laktoseintoleranz nicht um eine Allergie handelt sondern Milch und Milchprodukte Beschwerden bei den betroffenen Personen auslösen, handelt es sich um eine diätetische Therapie. Die Betroffenen müssen, je nach individueller Kapazität der enzymatischen Spaltung, selbst entscheiden, welche Lebensmittel sie verzehren können und welche sie meiden müssen. Dementsprechend wird heutzutage nur noch selten dazu geraten, Milch und Milchprodukte komplett zu meiden. In der Regel werden Milch und Milchprodukte unter Verarbeitung anderer Speisen besser vertragen als beim alleinigen Verzehr. Außerdem gibt es die Möglichkeit, das Enzym Laktase als Tablette zu sich zu nehmen. Dies ermöglicht eine unbeschwerte Aufnahme kritischer Lebensmittel. Je nach Ursache der Krankheit kann die Intoleranz im Laufe des Lebens stärker oder schwächer werden, teilweise verschwindet sie auch ganz. Aus diesem Grund sollen betroffene Personen ab und an Laktose in kleinen Mengen zu sich nehmen und auf ihre Verträglichkeit überprüfen.

Geeignete Lebensmittel

Bei mittlerer bis leichter Unverträglichkeit können die meisten Käsesorten unbedenklich verzehrt werden. Durch die Lagerung und das Zusetzen von Bakterien enthalten die meisten härteren Käsesorten nur geringe Mengen an Laktose. Weichkäsesorten sollten hingegen mit Vorsicht genossen werden. Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt oder Sauermilch werden oftmals ebenfalls besser vertragen als Milch.
In den Supermärkten gibt es außerdem ein großes Angebot an Produkten, die keine Laktose enthalten. Außerdem gibt es von verschiedenen Herstellern Milch und Milchprodukte, in denen die Laktose durch Zugabe von Laktase schon gespalten wurde (sog. MinusL/Laktosefreie Produkte). Die Zutaten der laktosefreien Produkte sind ansonsten die gleichen wie die der herkömmlichen Produkte. Häufig kann der Zuckeranteil aber reduziert werden, da durch das Spalten der Laktose in Glukose und Galaktose eine höhere Süßkraft entsteht. Wer ganz auf Milch und Milchprodukte verzichten möchte, findet im Supermarkt unter anderem Reis-, Hafer-, Mandel- oder Sojamilch.
Wichtig ist vor allem darauf zu achten einem Kalziummangel vorzubeugen. Betroffenen Personen sollten Lebensmittel mit einem natürlich hohen Gehalt an Kalzium bevorzugen wie z. B. Brokkoli oder Grünkohl und kalziumreiches Mineralwasser. Bei der angeborenen Form oder der besonders starken Form der Laktoseintoleranz wird zudem empfohlen, Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen, um z. B. Osteoporose vorzubeugen.

Achtung

In vielen Lebensmitteln und Medikamenten kann Laktose enthalten sein (Zutatenliste: Milchzucker, Milchpulver, Laktose, Trockenmilch. Mit der → Lebensmittelkennzeichnung muss auf der Verpackung darauf hingewiesen werden). Produkte, die extra als laktosefrei deklariert sind, sind häufig teurer als "normale" Produkte. Oftmals lohnt es sich kritisch zu überlegen, ob in dem "normalen" Produkt überhaupt Laktose enthalten ist, wie z. B. in Schnittkäse.

Quellen:

Sie verlassen die Internetseite AID (Infodienst) (Hrsg.) (2015): Milchzucker meiden – wie geht das? Zugriff am 03.12.2015
Sie verlassen die Internetseite AID (Infodienst) (Hrsg.) (2014): Laktoseintoleranz. Zugriff am 03.12.2015
Sie verlassen die Internetseite Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (Hrsg.) (2011): Essen und Trinken bei Laktoseintoleranz. Zugriff am 03.12.2015
Sie verlassen die Internetseite Ernährungs-Umschau (Hrsg.) (2003): Laktoseintoleranz. Zugriff am 03.12.2015
Biesalski, H. K.; Grimm, P. (2011): Taschenatlas Ernährung. Stuttgart. Thieme Verlag
Hahn, A.; Ströhle, A.; Wolters, M. (2006): Ernährung – Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Stuttgart. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
Huch, R.; Jürgens, K.D. (2011): Mensch – Körper – Krankheit. München. Urban und Fischer Verlag/Elsevier GmbH

Ausführliche Quellenangaben



Startseite | Impressum |  Letzte Aktualisierung:  15.05.2016