Wissen Hauswirtschaft Impressum Sitemap Suche Kontakt
Wissen rund um die Hauswirtschaft
Lupe Suche

Sie befinden sich hier: Startseite > Ernährung > Diabetes mellitus

Diabetes mellitus

Autorin: Christine Pahmeyer (Bachelor of Science in Ökotrophologie)

Kurz erklärt

Laut dem deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2010 sind in Deutschland mehr als sieben Millionen Menschen von dieser Krankheit betroffen. Der Ausdruck Diabetes mellitus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „honigsüßer Durchfluss“. Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselstörung, bei der eine Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse vorliegt. Es wird zu wenig oder gar kein Insulin gebildet. Insulin ist ein Hormon, das in den B-Zellen der Langhans´schen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die Zuckermoleküle in die Zellen befördert. In den Muskeln und in der Leber wird Glykogen als Speicherform des → Zuckers gespeichert und Fett im Fettgewebe aufgebaut. Die gut abgestimmte Wechselwirkung zwischen Nahrungsaufnahme und Insulinbildung einerseits sowie der Freisetzung von Nährstoffen aus der Körperreserve andererseits garantieren eine Versorgung von Gehirn, Organen und Gewebe in den Phasen des Hungers und der Schlafenszeit.

Durch die Störung des Kohlenhydratstoffwechsels (→ Kohlenhydrate) kommt es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Jede Kohlenhydratart wirkt sich anders auf den Blutzuckerspiegel aus und zum Abbau der Kohlenhydrate werden unterschiedliche Mengen an Insulin benötigt. Bei der Aufnahme von zuckerreichen Mahlzeiten (→ Einfach- und Doppelzucker) steigt der Blutzuckerspiegel sehr schnell an. Mahlzeiten, die reich an Mehrfachzuckern wie Stärke und Ballaststoffen sind, lassen hingegen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen.

Typen des Diabetes mellitus

Typ I

Diabetes Typ I tritt in den meisten Fällen im jungen Alter zwischen elf und dreizehn Jahren auf. Mit weniger als 10 % der Diabetes-Erkrankten in Deutschland ist der Typ I hierzulande eher selten.

Typ I ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse kein oder wenig Insulin produziert. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Diabetes Typ I erblich bedingt ist. Bei den betroffenen Patienten kommt es durch die erhöhte Zuckerausscheidung zu großen Harnmengen, erhöhtem Durst bis hin zum diabetischen Koma. Ein absoluter Insulinmangel entsteht. Nach der Diagnose der Krankheit muss der Patient Insulin von außen hinzufügen, dabei ist es wichtig, die Insulinmenge genau auf die Kohlenhydratzufuhr abzustimmen.

Typ II

Mit fast 90 % der an Diabetes Erkrankten ist der Typ II der am häufigsten auftretende in Deutschland. Vor allem Erwachsene im mittleren und höheren Alter sind von der Krankheit betroffen. Die Hauptfaktoren für eine Erkrankung sind Übergewicht und Bewegungsmangel. Durch die erhöhte Aufnahme von → Kohlenhydraten werden die Insulinrezeptoren in den Geweben gegenüber Insulin unempfindlich (Insulinresistenz). Die B-Zellen müssen durch die erhöhte Aufnahme von Kohlenhydraten vermehrt Insulin produzieren und sind aufgrund der Dauerbelastung überfordert. Ein relativer Insulinmangel entsteht, das heißt, dass die Bauchspeicheldrüse in der Regel noch Insulin produziert, nur nicht mehr in ausreichender Menge.

Schwangerschaftsdiabetes

Während einer Schwangerschaft kommt es in seltenen Fällen (2-3 % der schwangeren Frauen) zu Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Betroffen sind vor allem Frauen, die an starkem Übergewicht leiden, in deren Familie schon Fälle mit Diabetes bekannt sind oder die schon Kinder mit einem Geburtsgewicht über 4.500 g entbunden haben.

Der Mutterkuchen (Plazenta) bildet zu viele Hormone, die die Wirkung des Insulins aufheben. Ein weiterer Faktor, der eine Schwangerschaftsdiabetes auslösen kann, ist eine erhöhte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft (dadurch entsteht ein relativer Insulinmangel).

Für das Kind entsteht die Gefahr der Überzuckerung. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt oder von Fehlbildungen beim Kind. Aus diesen Gründen werden Schwangere regelmäßig auf Schwangerschaftsdiabetes untersucht. Betroffene zeigen selten typische Diabetes-Symptome. Nach der Schwangerschaft bildet sich das Krankheitsbild zurück, es bleibt aber ein erhöhtes Risiko bei der Schwangeren, später an Diabetes Typ II zu erkranken.

Symptome/Kennzeichen

Die wichtigsten Symptome sind vermehrter Durst, Müdigkeit, häufiges Wasserlassen und Gewichtsverlust.

Diagnose

Um eine gesicherte Diagnose stellen zu können, sollten Patienten, die einige der Symptome bei sich erkennen, auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Blutzuckerspiegel messen

Um den Blutzuckergehalt zu messen, reicht ein kleiner Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen oder der Fingerkuppe aus. Mithilfe eines Messgerätes wird sofort der Blutzuckergehalt bestimmt.

Stechhilfe und Messgeraet

Abbildung 1: Stechhilfe und Blutzuckermessgerät

Der Teststreifen wird in das Blutzuckermessgerät geschoben. Mit einer Stechhilfe kann in die Fingerkuppe gepickt und mit einem Tropfen Blut der Messstreifen befüllt werden. Das Messgerät zeigt anschließend den Messwert an.

Blutstropfen auftragen

Abbildung 2: Messstreifen mit Blut befüllen

Insulinpens

Abbildung 3: verschiedene Insulinpens und eine Insulispritze

Mithilfe eines Insulinpens oder einer Insulinspritze wird das Insulin unter die Haut gespritzt.

Behandlung / Therapie

Beim Typ-I-Diabetes ist eine Insulininjektion für den Patienten unerlässlich. Dabei ist es wichtig, die Insulinmenge auf die Diät anzupassen. Vor allem bei Sport müssen Typ-I-Diabetiker aufpassen nicht zu unterzuckern.

Beim Typ-II-Diabetiker ist der Therapieerfolg abhängig von Begleiterkrankungen, Alter, körperlicher Verfassung, persönlicher Motivation und dem psychosozialen Status. Da diese Diabetesform häufig mit Übergewicht und Bewegungsmangel einhergeht, muss die betroffene Person zunächst Gewicht abnehmen und sich mehr bewegen. In den meisten Fällen reichen wenige Kilo Körpergewicht aus, um die Stoffwechselfunktionen zu verbessern. Hilft eine Gewichtsabnahme und eine Nahrungsumstellung nicht, so wird in der Regel zu oralen Antidiabetika gegriffen. Diese hemmen zum Beispiel die Kohlenhydratverdauung und verlangsamen so den Anstieg des Blutzuckerspiegels oder fördern die vermehrte Ausschüttung von Insulin. Insulin muss meistens erst ab höherem Alter oder nach jahrelanger Missachtung der Diätpläne gespritzt werden.

Bei Schwangerschaftsdiabetes wird vor allem eine spezielle, bewusste Ernährung empfohlen. Dabei sollen die Schwangeren wenig Kohlenhydrate zu sich nehmen und besonders viel Obst und Gemüse verzehren. Nur in ganz seltenen Fällen wird Insulin von außen hinzugefügt.

Folgeerkrankungen

Bei Diabetes mellitus kommt es häufig zu Folgeerkrankungen. Diese müssen aber nicht unbedingt vorkommen. Maßgeblich entscheidend für die Entstehung der Folgeerkrankungen sind die Lebensführung und der eingestellte Blutzuckergehalt. Typ-II-Diabetes wird häufig jahrelang nicht erkannt, sodass bei der Diagnose schon Folgeerkrankungen vorhanden sein können.

Akutkomplikationen des Diabetes mellitus:

Diabetisches Koma/Überzuckerung: Bei Nichterkennen des Diabetes mellitus oder dem Missachten der Diätempfehlung sowie der körperlichen Anzeichen (Durst, Schweiß, erhöhter Harndrang…) kann ein lebensbedrohliches Koma entstehen. Weitere Anzeichen können Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sein. Die Überzuckerung führt bis zur Bewusstlosigkeit und muss sofort ärztlich behandelt werden.
Unterzuckerung: Vergisst der Patient eine Mahlzeit und fällt der Blutzuckergehalt dadurch unter 2,8 mmol/l wird der Patient zittrig und unruhig. In diesem Fall braucht der Patient schnell Kohlenhydrate (am besten Traubenzucker), um den Blutzuckerspiegel sofort zu erhöhen.
Hypoglykämischer Schock: Der Patient ist kaltschweißig und erleidet erste Lähmungen, mit Hilfe von (intravenöser) Glukose verbessert sich der Zustand sehr schnell.

Folgeerkrankungen:

Makroangiopathie (Erkrankung der großen arteriellen Blutgefäße): Es besteht ein erhöhtes Risiko einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Auch eine Arteriosklerose kann der Fall sein.
Mikroangiopathie (Erkrankung der kleineren Arterien): Führt bei manchen Patienten zur Erblindung oder zu Nierenproblemen bis hin zum akuten Nierenversagen.
Diabetische Polyneuropathie (Schädigung der peripheren Nerven): Aufgrund des ständig hohen Blutzuckers sind die Nerven geschädigt. Dadurch haben die Patienten häufig kein oder nur wenig Schmerzempfinden. Die Magen-Darm-Beweglichkeit kann gestört sein oder es kann zu Lähmungen an Extremitäten kommen.
Diabetisches Fußsyndrom: Auslöser sind Druckstellen oder kleine Wunden, die auf Grund der Nervenschäden, die mit dem Diabetes einhergehen, nicht erkannt werden. Wichtig ist eine regelmäßige Fußpflege und gutes Schuhwerk. Bei Missachten der Druckstellen kann es sein, dass der Fuß oder das ganze Bein amputiert werden müssen.

Ernährung

Noch bis vor wenigen Jahren gab es Diabetiker-Produkte zu kaufen. Diese haben sich über die Jahre als überflüssig erwiesen. Eine diabetesgerechte Ernährung sollte folgende Punkte beachten:

Vollwertig und ballaststoffreich: Da ballaststoffreiche Kohlenhydrate (→ Ballaststoffe) langsamer aufgenommen werden, sollten Patienten mindestens 20-40 g Ballaststoffe pro Tag zu sich nehmen. Vor allem viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte wirken sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus.
Kohlenhydratmenge und -Art: Patienten sollten wenige rein zuckerhaltige Lebensmittel zu sich nehmen. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass zuckerreiche Lebensmittel mit zuckerarmen Lebensmitteln kombiniert werden.
Das Einhalten der Sie verlassen die Internetseite 10 Regeln der DGE ist für Personen, die an Diabetes erkrankt sind, genauso zu empfehlen wie für Gesunde.
Vor allem sollten Diabetiker auf eine eiweißreiche Ernährung (→ Proteine) achten.
Es sollten ungesättigte Fette (→ Fette) bevorzugt werden.
Für einen gleichbleibenden Blutzuckerspiegel empfiehlt es sich mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen.
Energiehaltige → Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit usw. bieten für einen Diabetiker keinen nennenswerten Vorteil im Vergleich zu Saccharose. Sie führen bei erhöhter Aufnahme zu Blähungen und starken Durchfällen.
Energiefreie Zuckeraustauschstoffe wie zum Beispiel Aspertam können vor allem in Getränken sinnvoll sein, da Schwankungen des Blutzuckerspiegels dadurch vermieden werden.

Vor allem Typ-II-Diabetiker sollten auf den Energiegehalt ihrer Nahrung achten. Um Gewicht zu reduzieren, empfiehlt es sich, weniger Kalorien zu sich zu nehmen und die Bewegung zu steigern. In Diabetiker-Schulungen werden Erkrankte umfassend zur Ernährung informiert.
Wenn Sie als Hauswirtschafter/in Mahlzeiten für Diabetiker zubereiten, sollten Sie sich vorab genau erkundigen, was die Betroffenen beachtet wissen möchten.

Kohlenhydrate werden in BE gemessen, eine BE (Broteinheit) ist ein Schätzwert für eine Kohlenhydratportion von ca. 10-12 g. Ein normalgewichtiger Erwachsener benötigt ca. 20-25 BE pro Tag. Dabei entspricht 1 BE zum Beispiel einer mittelgroßen → Kartoffel oder einem halben Brötchen. Neben den Broteinheiten (BE) gibt es auch KHP (Kohlenhydratportion), die ebenfalls 10-12 g Kohlenhydraten und KHE/KE (Kohlenhydrateinheiten), die 10 g Kohlenhydraten entsprechen.

Der → Glykämische Index (GI,Glyx) ist ein Maß für den Anstieg des Blutzuckers nach der Aufnahme eines bestimmten Lebensmittels. Er zeigt das Verhältnis auf, wie 50 g eines Lebensmittels den Blutzucker ansteigen lassen im Vergleich zu 50 g reiner Glukose (= 100). Je kleiner der Wert ist, desto langsamer werden die Kohlenhydrate aufgenommen, also besonders positiv für den Diabetiker. Weißbrot hat einen GI von 75, grobes Roggen-Vollkornbrot hingegen nur einen GI von 41.

Interessante Links

Sie verlassen die Internetseite AID (Infodienst): Liste des glykämischen Index und der glykämischen Last einiger Lebensmittel, Stand 7.6.2013
Sie verlassen die Internetseite Gesundheitsinformation.de (Hrsg.): Diabetes Typ 1. Aktualisiert am 23.10. 2013
Sie verlassen die Internetseite Gesundheitsinformation.de (Hrsg.): Diabetes Typ 2. Aktualisiert am 4.6.2014
Sie verlassen die Internetseite Gesundheitsinformation.de (Hrsg.): Schwangerschaftsdiabetes. Aktualisiert am 23.3.2012

Quellen:

Sie verlassen die Internetseite AID (infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V.) (o.J.): Diabetes mellitus. Zugriff am 06.01.2016
Schlieper, C. A. (Hrsg.) (2007): Grundfragen der Ernährung.
Schlieper, C. A. (Hrsg.) (2009): Lernfeld Hauswirtschaft.
Huch, R.; Jürgens, K. D. (2011): Mensch – Körper – Krankheit.
Haak, T.; Palitzsch, K.-D. (2012): Diabetologie für die Praxis.
Leitzmann, C.; Müller, C.; Michel, P.; et al. (2009): Ernährung in Prävention und Therapie
Kiefer, I.; Kunze, M. (2006): Die Diabetes-Fibel. Leoben, Österreich

Ausführliche Quellenangaben



Startseite | Impressum |  Letzte Aktualisierung:  15.05.2016