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Diabetes mellitus

Kurz erklärt

Laut der Deutschen Diabetes Hilfe waren Ende 2017 etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland von dieser Krankheit betroffen [1]. Der Ausdruck Diabetes mellitus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „honigsüßer Durchfluss“. Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselstörung, bei der eine Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse vorliegt. Es wird zu wenig oder gar kein Insulin gebildet. Insulin ist ein Hormon, das in den B-Zellen der Langhans´schen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die Glucose in die Zellen befördert (Fructose und Galaktose werden in der Leber in Glucose umgewandelt). In den Muskeln und in der Leber wird Glykogen als Speicherform des → Zuckers gespeichert. Überschüssige Glucose, wird in Fett umgewandelt und baut Fettgewebe auf. Die gut abgestimmte Wechselwirkung zwischen Nahrungsaufnahme und Insulinbildung einerseits sowie der Freisetzung von Nährstoffen aus der Körperreserve andererseits garantieren die Versorgung von Gehirn, Organen und Gewebe in den Phasen des Hungers und der Schlafenszeit.

Durch die Störung des Kohlenhydratstoffwechsels (→ Kohlenhydrate) kommt es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Jede Kohlenhydratart wirkt sich anders auf den Blutzuckerspiegel aus und zum Abbau werden unterschiedliche Mengen an Insulin benötigt. Bei der Aufnahme von zuckerreichen Mahlzeiten (→ Einfach- und Doppelzucker) steigt der Blutzuckerspiegel sehr schnell an. Mahlzeiten, die reich an Mehrfachzuckern wie Stärke und Ballaststoffen sind, lassen hingegen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen.

Typen des Diabetes mellitus

Typ I

Diabetes Typ I tritt in den meisten Fällen im Kindes- und Jugendalter auf. Zwischen 5-10 % der Diabetes-Erkrankten in Deutschland leiden an Typ-I-Diabetes. Es handelt sich um einen absoluten Insulinmangel, der im Laufe des Lebens zunehmen kann. Der Insulinmangel ist eine Folge der Zerstörung der B-Zellen im Pankreas. Bei den betroffenen Patienten steigt der Blutzuckerspiegel und der überschüssige Zucker wird mit dem Urin ausgeschieden. Durch den vermehrten Urin erhöht sich der Flüssigkeitsbedarf und die Menschen verspüren großen Durst.

Nach der Diagnose der Krankheit muss der Patient Insulin von außen hinzufügen, dabei ist es wichtig, die Insulinmenge genau auf die Kohlenhydratzufuhr und die Bewegung abzustimmen.

Typ II

90-95 % der Diabetiker in Deutschland sind an Typ II erkrankt. Vor allem Erwachsene im mittleren und höheren Alter sind von der Krankheit betroffen. Die wichtigsten Risikofaktoren für eine Erkrankung sind Übergewicht und Bewegungsmangel. Die Insulinrezeptoren in den Geweben werden gegenüber Insulin unempfindlich (Insulinresistenz). Die B-Zellen müssen durch die erhöhte Aufnahme von Kohlenhydraten vermehrt Insulin produzieren und sind aufgrund der Dauerbelastung überfordert. Ein relativer Insulinmangel entsteht, das heißt, dass die Bauchspeicheldrüse in der Regel noch Insulin produziert, nur nicht mehr in ausreichender Menge.

Schwangerschaftsdiabetes

Während einer Schwangerschaft kommt es in seltenen Fällen (etwa 4 % der schwangeren Frauen) zu Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Betroffen sind vor allem Frauen, die an starkem Übergewicht leiden, in deren Familie schon Fälle mit Diabetes bekannt sind oder die schon Kinder mit einem Geburtsgewicht über 4.500 g entbunden haben.

Der Mutterkuchen (Plazenta) bildet zu viele Hormone, die die Wirkung des Insulins aufheben. Ein weiterer Faktor, der eine Schwangerschaftsdiabetes auslösen kann, ist eine erhöhte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft (dadurch entsteht ein relativer Insulinmangel).

Es besteht ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt oder von Fehlbildungen beim Kind. Aus diesen Gründen werden Schwangere regelmäßig auf Schwangerschaftsdiabetes untersucht. Betroffene zeigen selten typische Diabetes-Symptome. Nach der Schwangerschaft bildet sich das Krankheitsbild zurück, es bleibt aber ein erhöhtes Risiko bei der Schwangeren, später an Diabetes Typ II zu erkranken.

Symptome/Kennzeichen

Die wichtigsten Symptome sind vermehrter Durst, Müdigkeit, häufiges Wasserlassen und Gewichtsverlust.

Diagnose

Um eine gesicherte Diagnose stellen zu können, sollten Patienten, die einige der Symptome bei sich erkennen, auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Blutzuckerspiegel messen

Um den Blutzuckergehalt zu messen, reicht ein kleiner Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen oder der Fingerkuppe aus. Mithilfe eines Messgerätes wird sofort der Blutzuckergehalt bestimmt.

Stechhilfe und Messgeraet

Abbildung 1: Stechhilfe und Blutzuckermessgerät

Der Teststreifen wird in das Blutzuckermessgerät geschoben. Mit einer Stechhilfe kann in die Fingerkuppe gepickt und mit einem Tropfen Blut der Messstreifen befüllt werden. Das Messgerät zeigt anschließend den Messwert an.

Blutstropfen auftragen

Abbildung 2: Messstreifen mit Blut befüllen

Insulinpens

Abbildung 3: verschiedene Insulinpens und eine Insulispritze

Mithilfe eines Insulinpens oder einer Insulinspritze wird das Insulin unter die Haut gespritzt.

Behandlung / Therapie

Beim Typ-I-Diabetes ist eine Insulininjektion für den Patienten unerlässlich. Dabei ist es wichtig, die Insulinmenge an die Ernährung anzupassen. Vor allem bei Sport müssen Typ-I-Diabetiker aufpassen nicht zu unterzuckern (Hypoglykämie).

Beim Typ-II-Diabetiker ist der Therapieerfolg abhängig von Begleiterkrankungen, Alter, körperlicher Verfassung, persönlicher Motivation und dem psychosozialen Status. Da diese Diabetesform häufig mit Übergewicht und Bewegungsmangel einhergeht, sollten die betroffene Person zunächst Gewicht abnehmen und sich mehr bewegen. In den meisten Fällen reichen wenige Kilo Körpergewicht aus, um die Stoffwechselfunktionen zu verbessern. Hilft eine Gewichtsabnahme und eine Nahrungsumstellung nicht, so werden in der Regel Tabletten verordnet. Diese hemmen zum Beispiel die Kohlenhydratverdauung und verlangsamen so den Anstieg des Blutzuckerspiegels oder fördern die vermehrte Ausschüttung von Insulin. Bei Typ II muss Insulin meistens erst im höheren Alter oder nach jahrelanger Missachtung der Diätpläne gespritzt werden.

Bei Schwangerschaftsdiabetes wird vor allem eine spezielle, bewusste Ernährung empfohlen. Dabei sollen die Schwangeren wenig Kohlenhydrate zu sich nehmen und besonders viel Obst und Gemüse verzehren. Nur in ganz seltenen Fällen wird Insulin von außen hinzugefügt.

Folgeerkrankungen

Bei Diabetes mellitus kommt es häufig zu Folgeerkrankungen. Diese müssen aber nicht unbedingt vorkommen. Maßgeblich entscheidend für die Entstehung der Folgeerkrankungen sind Lebensführung und die Ernährung. Das bestimmt, wie erfolgreich der Blutzuckerspiegel in wünschenswerten Grenzen gehalten werden kann. Viele Menschen können nach einer Gewöhnungsphase einige Jahrzehnte mit Diabetes leben, ohne über Einschränkungen im Alltag zu klagen.

Akutkomplikationen des Diabetes mellitus:

Die meisten Diabetiker haben ein Messgerät: Ein korrekt gemessener Blutzuckerwert beruhigt und gibt Sicherheit für weitere Maßnahmen.

Diabetisches Koma / Überzuckerung (Hyperglykämie): Bei Nichterkennen des Diabetes mellitus oder dem Missachten der Diätempfehlung sowie der körperlichen Anzeichen (Durst, Schweiß, erhöhter Harndrang…) kann ein lebensbedrohliches Koma entstehen. Weitere Anzeichen können Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen sein. Die Überzuckerung kann bis zur Bewusstlosigkeit führen und muss sofort ärztlich behandelt werden.
Unterzuckerung (Hypoglykämie): Bei einem zu niedrigen Blutzuckergehalt, wird der Patient zittrig und unruhig. In diesem Fall braucht der Patient schnell Kohlenhydrate (am besten Traubenzucker), um den Blutzuckerspiegel sofort zu erhöhen.
Hypoglykämischer Schock: Der Patient ist kaltschweißig und erleidet erste Lähmungen. Mit Hilfe von (intravenöser) Glukose verbessert sich der Zustand sehr schnell. Wie bei allen Schocksituationen 112 anrufen!

Folgeerkrankungen:

Makroangiopathie (Erkrankung der großen arteriellen Blutgefäße): Es besteht ein erhöhtes Risiko einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Auch eine Arteriosklerose kann der Fall sein.
Mikroangiopathie (Erkrankung der kleineren Arterien): Führt bei manchen Patienten zur Erblindung oder zu Nierenproblemen bis hin zum akuten Nierenversagen.
Diabetische Polyneuropathie (Schädigung der peripheren Nerven): Aufgrund des ständig hohen Blutzuckers sind die Nerven geschädigt. Dadurch haben die Patienten häufig kein oder nur wenig Schmerzempfinden. Es können Missempfindungen wie Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Füßen und Händen auftreten. Darüber hinaus kann es zu einer Magenlähmung kommen.
Diabetisches Fußsyndrom: Auslöser sind Druckstellen oder kleine Verletzungen, die auf Grund der Nervenschäden, die mit dem Diabetes einhergehen, nicht erkannt werden. Die entstehenden Wunden können in die Tiefe gehen und chirurgische Eingriffe nötig machen. Wichtig ist eine regelmäßige Fußpflege und gutes Schuhwerk.

Ernährung

Für Typ-I-Diabetiker ist keine spezifische Ernährung oder Diät erforderlich [2]. Noch bis vor wenigen Jahren gab es Diabetiker-Produkte zu kaufen. Diese haben sich aber über die Jahre als überflüssig erwiesen. Das Einhalten der Sie verlassen die Internetseite 10 Regeln der DGE ist für Personen, die an Diabetes erkrankt sind, genauso zu empfehlen wie für Gesunde. Der Alkoholkonsum sollte begrenzt werden, wie das auch der Allgemeinbevölkerung geraten wird [2].

Vor allem Typ-II-Diabetiker sollten auf den Energiegehalt ihrer Nahrung achten. Um Gewicht zu reduzieren, empfiehlt es sich, weniger Kalorien zu sich zu nehmen und die Bewegung zu steigern. In Diabetiker-Schulungen werden Erkrankte umfassend zur Ernährung informiert.
Weiterhin gelten folgende Empfehlungen:

Für einen gleichbleibenden Blutzuckerspiegel empfiehlt es sich mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen.
Kohlenhydrate: Ballaststoffreiche (→ Ballaststoffe) und zuckerarme Lebensmittel sind besonders empfehlenswert. Dazu zählen Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte sowie Vollkornprodukte. Sie wirken sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus und enthalten neben Mineralien auch viele Vitamine.
Der Zuckeranteil an der zugeführten Gesamtenergiemenge sollte möglichst gering sein. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass zuckerreiche Lebensmittel mit zuckerarmen Lebensmitteln kombiniert werden wie beispielsweise 1 Löffel Honig im Vollkornmüsli.
Energiehaltige → Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit usw. bieten für einen Diabetiker keinen nennenswerten Vorteil im Vergleich zu Saccharose. Sie können bei erhöhter Aufnahme zu Blähungen und Durchfällen führen.
Energiefreie → Süßstoffe wie zum Beispiel Aspartam können vor allem in Limonaden sinnvoll sein, da Schwankungen des Blutzuckerspiegels dadurch vermieden werden.

Wenn Sie als Hauswirtschafter/in Mahlzeiten für Diabetiker zubereiten, sollten Sie sich vorab genau erkundigen, was die Betroffenen beachtet wissen möchten. Vielleicht möchte auch jemand an regelmäßige Mahlzeiten und / oder Blutzuckerkontrollen erinnert werden.

Kohlenhydrate werden in BE gemessen. Eine BE (Broteinheit) bezeichnet die Menge eines Lebensmittels, die 10-12 g Kohlenhydrate enthält (Deutschland 12 g, Österreich 10-12 g, Schweiz 10 g). Dabei entspricht 1 BE zum Beispiel 15 g Knäckebrot, 140 g Karotten, 80 g Banane (mit Schale) und 250 g Vollmilch [3]. Neben den Broteinheiten (BE) gibt es auch die KHE/KE (Kohlenhydrateinheit), die 10 g Kohlenhydraten entsprechen.

Der → Glykämische Index (GI,Glyx) ist ein Maß für den Anstieg des Blutzuckers nach der Aufnahme eines bestimmten Lebensmittels. Er zeigt das Verhältnis auf, wie 50 g eines Lebensmittels den Blutzucker ansteigen lassen im Vergleich zu 50 g reiner Glukose (= 100). Je kleiner der Wert ist, desto langsamer werden die Kohlenhydrate aufgenommen, also besonders positiv für den Diabetiker. Weißbrot hat einen GI von 75, grobes Roggen-Vollkornbrot hingegen nur einen GI von 41.

Autorin: Christine Gehle (Bachelor of Science in Ökotrophologie)
Überarbeitet am 6.2.2020 von Urte Paaßen

Interessante Links

Sie verlassen die Internetseite Das Diabetesinformationsportal ist ein Angebot des Helmholtz Zentrums München, des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung.
Sie verlassen die Internetseite Gesundheitsinformation.de (Hrsg.): Diabetes Typ 1. Aktualisiert am 14. Juni 2017
Sie verlassen die Internetseite Gesundheitsinformation.de (Hrsg.): Diabetes Typ 2. Aktualisiert am 14. Februar 2019
Sie verlassen die Internetseite Gesundheitsinformation.de (Hrsg.): Schwangerschaftsdiabetes. Aktualisiert am 20. November 2018

Quellen:

[1] Sie verlassen die Internetseite Deutsche Diabetes-Hilfe (2017): „Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2018 erschienen. Zugriff 19.2.2018
[2] Sie verlassen die Internetseite Deutsche Diabetes Gesellschaft (2018): S3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes. Zugriff am 06.02.2020
Sie verlassen die Internetseite Bundesministerium für Gesundheit: Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2. Zugriff am 06.02.2020
Hans Konrad Biesalski, Peter Grimm, Susanne Nowitzki-Grimm: Taschenatlas Ernährung. 2017
[3] Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 267. Auflage. 2017
Schlieper, C. A. (Hrsg.) (2018): Lernfeld Hauswirtschaft.
Schlieper, C. A. (Hrsg.) (2007): Grundfragen der Ernährung.
Huch, R.; Jürgens, K. D. (2011): Mensch – Körper – Krankheit.
Haak, T.; Palitzsch, K.-D. (2012): Diabetologie für die Praxis.
Leitzmann, C.; Müller, C.; Michel, P.; et al. (2009): Ernährung in Prävention und Therapie
Kiefer, I.; Kunze, M. (2006): Die Diabetes-Fibel. Leoben, Österreich

Ausführliche Quellenangaben