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Folsäure/Folat

Folate gehören zu den B-Vitaminen, sind wasserlöslich und werden in der französischen Fachliteratur auch als Vitamin B9 bezeichnet [2, 6]. Verglichen mit anderen Vitaminen liegt die Entdeckung noch nicht sehr weit zurück. In den 1940er Jahren wurde ein Faktor beschrieben, der für das Wachstum des Bakteriums Lactobacillus casei essenziell ist. 1941 konnte Folat aus vier Tonnen Spinatblättern isoliert werden. Aus diesem Grund wurde für das Vitamin der Name Folat gewählt, weil im Lateinischen folium „Blatt“ bedeutet [3].

Wirkung

Folate sind an der Synthese von Nucleinsäure beteiligt und damit für die Zellteilung unerlässlich. Außerdem wirkt es bei der Synthese von → Aminosäuren mit [5]. 1965 wurde bereis eine mögliche Beteiligung von Folaten bei der Entstehung von Neuralrohrdefekten beschrieben [7]. Die Bildung des zentralen Nervensystems beginnt etwa 18 Tage nach der Befruchtung und endet um den 26. Tag mit der Bildung des Sie verlassen die Internetseite Neuralrohres. Schließt sich dieses Rohr nicht vollständig, treten Fehlbildungen am zentralen Nervensystem auf, z. B. der sogenannte "offene" Rücken (Spina bifida) oder Anenzephalie (fehlendes Großhirn, offener Hirnschädel) [6].
Darüber hinaus sind Folate für die Bildung gesunder roter Blutkörperchen notwendig [12]. 1993 konnte ein Zusammenhang zwischen einem erhöhten Homocysteinspiegels und niedrigen Folat, → Vitamin B12 und Pyridoxalphosphat-Konzentrationen im Blutplasma gezeigt werden [7]. Pyridoxalphosphat ist die aktive Form von → Vitamin B6. Homocystein erhöht das Risiko an Arteriosklerose zu erkranken [8].

Resorption und Verteilung im Körper

Unterschieden werden muss zwischen den in der Natur vorkommenden Folaten (Nahrungsfolate) und der synthetischen Folsäure (Pteroylglutaminsäure). Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil aufgrund ihrer Struktur die Nahrungsfolate nur etwa zu 50 % im Darm aufgenommen werden. Synthetische Folsäure dagegen, die in Form von Tabletten, Kapseln oder Brausetabletten auf nüchternen Magen eingenommen werden, können fast zu 100 % und der Nahrung zugesetzte Folsäure immerhin noch zu 85 % resorbiert werden [6]. Da es keinen Langzeitspeicher im Körper gibt, müssen folathaltige Lebensmittel regelmäßig verzehrt werden [12]. Schwankungen zwischen den Mahlzeiten werden durch die Galle ausgeglichen, die etwa 10-mal mehr Folat enthält als das Blutplasma [5].

Vorkommen

Folate kommen sowohl in tierischen wie pflanzlichen Lebensmitteln vor. Besonders hohe Werte findet man in Rinderleber, Spinat und verschiedenen Kohlsorten, wie beispielsweise Blumenkohl, Rosenkohl und Brokkoli, aber auch in Milchprodukten wie Camembert und Limburger. Da natürliche Folate und Folsäure so unterschiedlich im Körper aufgenommen werden, wurden für eine bessere Vergleichbarkeit die Folat-Äquivalente eingeführt: 1 Folat-Äquivalent entspricht 1 μg Nahrungsfolat (→ Folat-Äquivalent).
Bei zubereiteten Speisen zieht das Schweizer Bundesamt für Gesundheit in ihrer Broschüre 50 % der enthaltenen Folat-Äquivalente als Kochverlust von der Rohware ab [6].

Folat-Gehalt von einigen Lebensmitteln

Lebensmittel Folat in μg pro 100 g
Rind, Leber 590
Huhn, Leber 380
Sonnen­blumenkerne 120
Spinat (zubereitet mit Salz und Fett) 75
Camembert 30 % Fett i. Tr. 65
Pinienkern 55
Weizen­vollkornmehl, Type 1700 50
Kalbsleberwurst 50
Rosenkohl (zubereitet mit Salz und Fett) 45
Avocado 30
Brokkoli (zubereitet mit Salz und Fett) 20
Roggen­vollkornbrot 15
Bananen 15

Quelle: Heseker, Heseker: Die Nährwerttabelle, 2019/2020

Bedarf

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Säuglinge
0 – unter 4 Monate: 60 μg-Äquivalent/Tag (Schätzwer)
4 – unter 12 Monate: 80 μg-Äquivalent/Tag (Schätzwert)

Kinder
vom 1. – 3. Lebensjahr: 120 μg-Äquivalent/Tag
vom 4. – 6 Lebensjahr: 140 μg-Äquivalent/Tag
vom 7. – 9. Lebensjahr: 180 μg-Äquivalent/Tag
vom 10. – 12. Lebensjahr: 240 μg-Äquivalent/Tag
vom 13. – 14. Lebensjahr: 300 μg-Äquivalent/Tag

Jugendliche und Erwachsene
vom 15. – 64. Lebensjahr: 300 μg-Äquivalent/Tag
65 Jahre und Älter: 300 μg-Äquivalent/Tag
Schwangere Frau: 550 μg-Äquivalent/Tag
Stillende Frau: 450 μg-Äquivalent/Tag

Frauen, die schwanger werden möchten oder schwanger werden könnten wird empfohlen spätestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft täglich, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung, 400 μg synthetische Folsäure oder äquivalente Dosen anderer Folate zu sich zu nehmen und dies in den ersten drei Monate der Schwangerschaft fortzuführen [10]. Auch der Britische National Health Service (NHS) und das US amerikanische Institute of Medicine empfehlen Frauen, die Kinder empfangen möchten, die tägliche Einnahme von 400 μg Folsäure [2, 11].

Folat-Äquivalent

Die Bioverfügbarkeit zwischen in Lebensmitteln vorkommendem Folat und synthetischer Folsäure ist unterschiedlich. Um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen, wurden die Folat-Äquivalente (dietary folate equivalents = DFE) eingeführt.
Auf nüchternen Magen aufgenommen entspricht 1 Folat-Äquivalent = 1 μg Nahrungsfolat = 0,5 μg Folsäure.
Zusammen mit Lebensmitteln verzehrt entspricht 1 Folat-Äquivalent = 1 μg Nahrungsfolat = 0,6 μg Folsäure [2, 9].

USAInstitute of Medicine, Food and Nutrition Board

Das US-amerikanische Institute of Medicine gibt folgende Verzehrempfehlungen (Recommended Dietary Allowances, RDAs) [2]:

Kinder
1 – 3 Jahre: 150 μg-Äquivalent/Tag
4 – 8 Jahre: 200 μg-Äquivalent/Tag
9 – 13 Jahre: 300 μg-Äquivalent/Tag

Jugendliche / Erwachsene
14 – 18 Jahre: 400 μg-Äquivalent/Tag
19 Jahre und älter: 400 μg-Äquivalent/Tag
Schwangere Frau: 600 μg-Äquivalent/Tag
Stillende Frau: 500 μg-Äquivalent/Tag

Vereinigtes KönigreichNational Health Service (NHS)

Laut dem britischen National Health Service (NHS) benötigen Erwachsene täglich 200 µg Folsäure [12].

Anreicherung von Lebensmitteln

Um das Risiko von Neuralrohrdefekten zu minimieren, wird in vielen Ländern Mehl, als eines der Nahrungsmittel, die von allen Bevölkerungsschichten verzehrt wird, mit Folsäure angereichert. In den USA und Kanada wurde die gesetzlich verpflichtende Anreicherung von Mehl im Jahr 1998 eingeführt. Australien führte die verpflichtende Anreicherung im Jahr 2009 ein. Insgesamt werden in etwas 80 Ländern weltweit Mehl bzw. Getreide und Getreideprodukte mit Folsäure angereichert [1].

Situation in Deutschland

In Deutschland werden zur Zeit beispielsweise Frühstückscerealien, → Milchprodukte, → Salz, Brotbackmischungen, → Süßwaren und → Erfrischungsgetränke mit Folsäure angereichert. Da diese Lebensmittel - mit Ausnahme von Salz - nicht regelmäßig von allen Bevölkerungsschichten verzehrt werden, sind sie nicht geeignet die Versorgung mit Folat zu verbessern. Aus diesem Grund fordern viele Fachleute eine Anreicherung ausgewählter Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Salz, denn sie werden regelmäßig gegessen [13].

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat im September 2017 eine Stellungnahme zur flächendeckenden Anreicherung von Mehl mit Folsäure veröffentlicht [1]. Nach Meinung des BfR ist der überwiegende Teil der Bevölkerung sehr gut mit Folsäure versorgt. Von einer verpflichtenden Anreicherung von Mehl profitierten demzufolge in erster Linie Frauen vor oder während einer Schwangerschaft. Für viele Menschen könnte jedoch der zusätzliche Verzehr von angereichertem Mehl, neben anderen mit Folsäure versetzten Lebensmitteln, zu einem Überschreiten des „Tolerable Upper Intake Level“ (UL) von 1 mg Folsäure und damit zu einem gesundheitlichen Risiko führen. Das BfR empfiehlt aus diesem Grund statt einer flächendeckenden Anreicherung von Mehl, Frauen im gebärfähigen Alter durch verstärkte Aufklärungsarbeit und Kampagnen zu einer erhöhten Folsäureaufnahme zu motivieren [1].

Stabilität

Folsäurelösungen sind hitze- und lichtempfindlich, auch bei schonender Zubereitung wird der Folatgehalt um ca. 50 % reduziert. Da der größere Teil der Lebensmittel, die Folate enthalten, roh gegessen wird, wurde der Mittelwert für die Zubereitungsverluste in den D-A-CH-Referenzwerten auf 35 % reduziert. Nahrungsfolate sind deutlich empfindlicher gegenüber Verlusten als synthetische Folsäure [6].

Mangelerscheinungen (Hypovitaminose)

Der Mangel an Folsäure ist die häufigste Hypovitaminose im Westen und kann durch Mangelernährung (Malnutrition) wie z. B. beim Alkoholmissbrauch oder einem erhöhten Bedarf wie in der Schwangerschaft, Stillzeit und raschem Wachstum. Es gibt Medikamente z. B. in der Krebstherapie (Zytostatika), die als Folsäure-Antagonisten wirken. Bei der Einnahme solcher Medikamente kann es zu einem Folsäuremangel kommen [6, 8].
Infolge eines Folsäuremangels (wie bei Vitamin-B12-Mangel) kann eine „Megaloblastäre Anämie“ auftreten. Bei dieser Form der Anämie ist die DNA-Synthese der blutbildenden Zellen gestört. Infolge dessen kommt es zur Störung in der Entwicklung und Reifung der roten Blutkörperchen [5, 15], Als weitere Symptome treten Wachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen und Fortpflanzungsstörungen auf. Ist das Nervensystem betroffen, kann Demenz entstehen oder eine sogenannte Parästhesie auftreten. Diese Krankheit äußert sich in einem unangenehmen Körperempfinden, wie Kribbeln, Taubheit, einem schmerzhaft brennendem Gefühl oder unangenehmes Temperaturempfinden [6, 8].

Hypervitaminose

Über natürliche Quellen ist eine Überdosierung mit Folaten nicht bekannt [16].
Nimmt man täglich über Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel mehr als 1 mg Folsäure zu sich, kann dies einen → Vitamin B12-Mangel verschleiern. Eine hohe Folsäurezufuhr in Verbindung mit einem niedrigen Vitamin-B12-Status kann langfristig jedoch mit Verlusten der kognitiven Fähigkeiten verbunden sein. Darüber hinaus erhöht sich das Risiko für Dickdarmkrebs und weitere Krebserkrankungen [1, 5].

Europäische Obergrenzen für Folsäure

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Vitamine und Mineralstoffe Höchstmengen, die sogenannten „Tolerable Upper Intake Level“ festgelegt. Für Folsäure ist die Tageshöchstmenge für einen Erwachsenen 1 mg [14].

Quellen

[1] Sie verlassen die Internetseite Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2017): Nutzen-Risiko-Abwägung einer flächendeckenden Anreicherung von Mehl mit Folsäure. Stellungnahme Nr. 027/2017 des BfR vom 13. September 2017. Zugriff am 05.05.2021
[2] Sie verlassen die Internetseite National Institutes of Health. Office of Dietary Supplements (Hrsg.): Fact Sheet for Health Professionalst: Folate. Updated: 29. März 2021. Zugriff am 04.05.2021
[3] Sie verlassen die Internetseite Anna Stahl, Prof. Dr. Helmut Heseker (2007): Folat: Physiologie, Vorkommen, Analytik, Referenzwerte und Versorgung in Deutschland. Ernährungs Umschau 6/07. Zugriff am 04.05.2021
[4] Cornelia A. Schlieper: Grundfragen der Ernährung, 2017
[5] Prof. Dr. Ibrahim Elmadfa: Ernährungslehre, 2019
[6] Sie verlassen die Internetseite Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Gesundheit (BAG): Folsäure ist unentbehrlich für die normale embryonale Entwicklung des Kindes. Broschüre, Stand: 24.08.2016. Zugriff am 05.05.2021
[7] Berthold Koletzko, Klaus Pietrzik (2004): Gesundheitliche Bedeutung der Folsäurezufuhr. Deutsches Ärzteblatt | Jg. 101 | Heft 23 | 4. Juni 2004. Zugriff am 05.05.2021
[8] Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 268. Auflage, 2020
[9] Sie verlassen die Internetseite Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.) (2018): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Folat. Zugriff am 05.05.2021
[10] Sie verlassen die Internetseite Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, D-A-CH-Referenzwerte der DGE, ÖGE, SGE/SVE: Folat. Zugriff am 05.05.2021
[11] Sie verlassen die Internetseite NHS (Hrsg): Vitamins, supplements and nutrition in pregnancy. Page last reviewed: 14. February 2020. Zugriff am 05.05.2021
[12] Sie verlassen die Internetseite NHS (Hrsg): B vitamins and folic acid. Page last reviewed: 02. August 2020. Zugriff am 05.05.2021
[13] Sie verlassen die Internetseite Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (Hrsg.) (2019): Folat und Folsäure in der Ernährung. Zugriff am 05.05.2021
[14] Sie verlassen die Internetseite European Food Safety Authority (EFSA) (2018): Summary of Tolerable Upper Intake Levels. Zugriff am 05.05.2021
[15] Sie verlassen die Internetseite DocCheck Medical Services GmbH (Hrsg.): Megaloblastäre Anämie. Zugriff am 06.05.2021
[16] Sie verlassen die Internetseite Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Folat und Folsäure, FAQ des BfR vom 2. April 2015
Heseker, Prof. Dr. Helmut; Heseker, Beate: Die Nährwerttabelle. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., 2019/2020

Ausführliche Quellenangaben