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Folsäure/Folat

Folate gehören zu den B-Vitaminen, sind wasserlöslich und werden in der französischen Fachliteratur auch als Vitamin B9 bezeichnet. Verglichen mit anderen Vitaminen liegt die Entdeckung noch nicht sehr weit zurück. In den 1940er Jahren wurde ein Faktor beschrieben, der für das Wachstum des Bakteriums Lactobacillus casei essenziell ist. Zum ersten Mal isoliert wurden Folate 1943 aus Spinatblättern.

Wirkung

Folate sind an der Synthese von Nucleinsäure beteiligt und damit für die Zellteilung unerlässlich. 1965 wurde erstmals eine mögliche Beteiligung von Folaten bei der Entstehung von Neuralrohrdefekten beschrieben. Die Bildung des zentralen Nervensystems beginnt etwa 18 Tage nach der Befruchtung und endet um den 26. Tag mit der Bildung des Sie verlassen die Internetseite Neuralrohres. Schließt sich dieses Rohr nicht vollständig, treten Fehlbildungen am zentralen Nervensystem auf, z. B. der sogenannte "offene" Rücken (Spina bifida) oder Anenzephalie (fehlendes Großhirn, offener Hirnschädel).
Darüber hinaus sind Folate zusammen mit Vitamin B12 für die Bildung roter Blutkörperchen notwendig. 1993 wurde entdeckt, dass Folate auch für die Senkung des Sie verlassen die Internetseite Homocysteinspiegels erforderlich sind. Zusammen mit anderen B-Vitaminen wie → Biotin, → Niacin und → Panthothensäure wird Folat/Folsäure für eine gesunde Haut, Haare und Nägel benötigt

Resorption und Verteilung im Körper

Unterschieden werden muss zwischen den in der Natur vorkommenden Folaten (Nahrungsfolate) und der synthetischen Folsäure (Pteroylglutaminsäure). Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil aufgrund ihrer Struktur die Nahrungsfolate nur etwa zu 50 % im Darm aufgenommen werden. Synthetische Folsäure dagegen, die in Form von Tabletten, Kapseln oder Brausetabletten auf nüchternen Magen eingenommen werden, können fast zu 100 % und der Nahrung zugesetzte Folsäure immerhin noch zu 85 % resorbiert werden. Im Körper wird 5-10 mg Folat gespeichert, die Hälfte davon in der Leber.

Vorkommen

Folate kommen sowohl in tierischen wie pflanzlichen Lebensmitteln vor. Besonders hohe Werte findet man in Rinderleber, Spinat und verschiedenen Kohlsorten, wie beispielsweise Blumenkohl, Rosenkohl und Brokkoli, aber auch in Milchprodukten wie Weichkäse und Gouda. Da natürliche Folate und Folsäure so unterschiedlich im Körper aufgenommen werden, wurden für eine bessere Vergleichbarkeit die Folatäquivalente eingeführt: 1 Folatäquivalent = 1 μg Nahrungsfolat = 0.5 μg synthetische Folsäure entspricht (→ Folat-Äquivalent).
Um die täglich empfohlene Menge von 400 μg Folatäquivalenten aufzunehmen, muss man beispielsweise 114 g Weizenkeime, 417 g gekochten Spinat, 651 g gekochten Blumenkohl oder 3077 g Äpfel verzehren. Bei gekochten Speisen zieht das Schweizer Bundesamt für Gesundheit in ihrer Broschüre 50 % der enthaltenen Folatäquivalente als Kochverlust von der Rohware ab (Sie verlassen die Internetseite http://www.blv.admin.ch/themen/04679/05065/05087/index.html?lang=de)

Gehalt an Folatäquivalenten von einigen Lebensmitteln

Lebens­mittel Folat­äqui­valente in μg pro 100 g
Rinderleber 242
Spinat 56
Weichkäse 42
Roggen­vollkornmehl 38
Weißkohl 36
Weizen­vollkornmehl 31
Apfelsinen 31
Avocado 30
Brokkoli 25
Rosenkohl 23
Bananen 16

Quelle: K.-H. Bässler, I. Golly, D. Loew, K. Pietrzik: Vitamin Lexikon, 2002

Bedarf

Sie verlassen die Internetseite D-A-CH-ReferenzwerteDeutschland-Schweiz-Österreich

Säuglinge
0 – unter 4 Monate: 60 μg-Äquivalent/Tag (Schätzwer)
4 – unter 12 Monate: 80 μg-Äquivalent/Tag (Schätzwert)

Kinder
vom 1. – 3. Lebensjahr: 120 μg-Äquivalent/Tag
vom 4. – 6 Lebensjahr: 140 μg-Äquivalent/Tag
vom 7. – 9. Lebensjahr: 180 μg-Äquivalent/Tag
vom 10. – 12. Lebensjahr: 240 μg-Äquivalent/Tag
vom 13. – 14. Lebensjahr: 300 μg-Äquivalent/Tag

Jugendliche und Erwachsene
vom 15. – 64. Lebensjahr: 300 μg-Äquivalent/Tag
65 Jahre und Älter: 300 μg-Äquivalent/Tag
Schwangere Frau: 550 μg-Äquivalent/Tag
Stillende Frau: 450 μg-Äquivalent/Tag

Frauen, die schwanger werden möchten oder schwanger werden könnten wird empfohlen spätestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft täglich, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung, 400 μg synthetische Folsäure zu sich zu nehmen und dies in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft fortzuführen. Auch der Britische National Health Service (NHS) und das US amerikanische Institute of Medicine empfehlen Frauen, die Kinder empfangen möchten, die tägliche Einnahme von 400 μg Folsäure.

Folat-Äquivalent

Die Bioverfügbarkeit zwischen in Lebensmitteln vorkommendem Folat und synthetischer Folsäure ist unterschiedlich. Um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen, wurden die Folat-Äquivalente eingeführt.
Auf nüchternen Magen aufgenommen entspricht 1 Folat-Äquivalent = 1 μg Nahrungsfolat = 0,5 μg Folsäure.
Zusammen mit Lebensmitteln verzehrt entspricht 1 Folat-Äquivalent = 1 μg Nahrungsfolat = 0,6 μg Folsäure.

USAInstitute of Medicine, Food and Nutrition Board

Das US-amerikanische Institute of Medicine gibt folgende Verzehrempfehlungen (Recommended Dietary Allowances, RDAs):

Kinder
1 – 3 Jahre: 150 μg-Äquivalent/Tag
4 – 8 Jahre: 200 μg-Äquivalent/Tag
9 – 13 Jahre: 300 μg-Äquivalent/Tag

Jugendliche / Erwachsene
14 – 18 Jahre: 400 μg-Äquivalent/Tag
19 Jahre und älter: 400 μg-Äquivalent/Tag
Schwangere Frau: 600 μg-Äquivalent/Tag
Stillende Frau: 500 μg-Äquivalent/Tag

Folat-Äquivalent

Folat-Äquivalente (dietary folate equivalents = DFE) spiegeln die um 50 Prozent niedrigere Bioverfügbarkeit von Folat in Lebensmitteln im Vergleich zur Folsäure wider: 1 µg Folat-Äquivalent = 0,6 µg Folsäure aus angereicherten Lebensmitteln oder als Nahrungsergänzungsmittel zu den Mahlzeiten eingenommen = 1 µg Folsäure in Lebensmittel = 0,5 µg eines Nahrungsergänzungsmittels, das auf nüchternen Magen eingenommen wird.

Vereinigtes KönigreichNational Health Service (NHS)

Laut dem britischen National Health Service (NHS) benötigen Erwachsene täglich 200 µg (= 0,2 mg) Folsäure.

Anreicherung von Lebensmitteln

Um das Risiko von Neuralrohrdefekten zu minimieren, wird in vielen Ländern Mehl, als eines der Nahrungsmittel, die von allen Bevölkerungsschichten verzehrt wird, mit Folsäure angereichert. USA, Kanada, Chile und Australien gehören unter anderem zu den Ländern, in denen eine Anreicherung von Mehl mit Folsäure gesetzlich vorgeschrieben ist. In Europa kann in Irland, Polen und Ungarn freiwillig Mehl mit Folsäure versetzt werden. In Rumänien ist eine verpflichtende Mehlanreicherung geplant (Sie verlassen die Internetseite Vitaminreich: Mehl für die Welt).

Da in Deutschland nur knapp 20 % der Bevölkerung die empfohlene Menge Folsäure täglich zu sich nehmen, wird auch hier über eine gezielte Anreicherung eines Grundnahrungsmittels nachgedacht. Zurzeit sind in Deutschland beispielsweise Frühstückscerealien, Molkereiprodukte, → Salz und Erfrischungsgetränke mit Folsäure angereichert.

Risiken

Eine Anreicherung von Lebensmitteln kann eine Unterversorgung der Bevölkerung mit Folaten verhindern, sie kann aber auch, wie eine Untersuchung in England zeigt, dazu führen, dass Menschen mehr als die empfohlene Höchstmenge von 1 mg Folsäure zu sich nehmen. Deshalb gilt die Anreicherung eines Grundnahrungsmittels als die bessere Maßnahme, denn so werden bei einem entsprechenden Konsum alle Risikogruppen erreicht. Mit sorgfältiger Überwachung können sowohl positive Effekte wie auch unbekannte Risiken erfasst werden.

Stabilität

Folsäurelösungen sind hitze- und lichtempfindlich, auch bei schonender Zubereitung wird der Folatgehalt um ca. 50 % reduziert. Da der größere Teil der Lebensmittel, die Folate enthalten, roh gegessen wird, wurde der Mittelwert für die Zubereitungsverluste in den D-A-CH-Referenzwerten auf 35 % reduziert. Nahrungsfolate sind deutlich empfindlicher gegenüber Verlusten als Folsäure.

Mangelerscheinungen (Hypovitaminose)

Vor Mangelerscheinungen wird bei Menschen im hohen Alter, bei Mangelernährung (Malnutrition) oder bei Alkoholabhängigkeit gewarnt. Es gibt Medikamente z. B. in der Krebstherapie, die als Folsäure-Antagonisten wirken. Bei der Einnahme solcher Medikamente kann es zu einem Folsäuremangel kommen. Einen erhöhten Bedarf gibt es in der Schwangerschaft, Stillzeit und in der Pubertät.
Infolge eines Folsäuremangels kann eine "hyperchrome, makrozytäre Anämie" auftreten. Bei dieser Form der "Blutarmut" ist die Produktion roter Blutkörperchen eingeschränkt. Als weitere Symptome treten Wachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen und Fortpflanzungsstörungen auf. Ist das Nervensystem betroffen, kann Demenz entstehen oder eine sogenannte Parästhesie. Diese Krankheit äußert sich in einem unangenehmen Körperempfinden, wie eingeschlafener Gliedmaßen, Kribbeln, Taubheit oder Störung der Kälte- und Wärmewahrnehmung ohne das dies durch äußere Reize ausgelöst wird. Um nur einige Mangelerscheinungen zu nennen.

Hypervitaminose

Über natürliche Quellen ist eine Überdosierung mit Folaten nicht bekannt.
Nimmt man täglich mehr als 1 mg Folsäure zu sich, kann dies einen → Vitamin B12-Mangel verschleiern. Als Folge therapeutisch hoher Dosen können Schlafstörungen und psychische Störungen auftreten. Selten sind Überempfindlichkeitsreaktionen nach der Einnahme von Folsäurepräparaten zu beobachten.

Europäische Obergrenzen für Folsäure

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für 16 Vitamine und Mineralstoffe Höchstmengen, die sogenannten "Tolerable Upper Intake Level" festgelegt. Für Folsäure ist die Tageshöchstmenge für einen Erwachsenen 1 mg. (Sie verlassen die Internetseite http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-54633.html).

Interessanter Link

Sie verlassen die Internetseite Laura J. Williams, MPH, Sonja A. Rasmussen, MD, Alina Flores, MP*, Russell S. Kirby, PhD, Larry D. Edmonds, MSPH: Decline in the Prevalence of Spina Bifida and Anencephaly by Race/Ethnicity: 1995–2002, Pediatrics published online January 17, 2008

Quellen:

Sie verlassen die Internetseite NHS Choices: Why do I need folic acid?, letzte Prüfung: 18.3.2015
Sie verlassen die Internetseite NHS Choices: Vitamins and minerals - B vitamins and folic acid, letzte Überprüfung 18.02.2015
Sie verlassen die Internetseite Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, D-A-CH-Referenzwerte der DGE, ÖGE, SGE/SVE: Folat
Sie verlassen die Internetseite Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Folat und Folsäure, FAQ des BfR vom 2. April 2015
Sie verlassen die Internetseite Europäische Obergrenzen für Vitamine und Mineralstoffe, 01.02.2006
Sie verlassen die Internetseite Office of Dietary Supplements (ODS), National Institutes of Health: Dietary Supplement Fact Sheet: Folate, letzte Prüfung 14. Dezember 2012
Sie verlassen die Internetseite Institute of Medicine. Food and Nutrition Board. Dietary Reference Intakes: Thiamin, riboflavin, niacin, vitamin B6, folate, vitamin B12, pantothenic acid, biotin, and choline. National Academy Press. Washington, DC, 2000
Sie verlassen die Internetseite Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Gesundheit (BAG): Folsäure für das ungeborene Kind, Faltblatt, Letzte Änderung: 05.12.2013
Sie verlassen die Internetseite Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Gesundheit (BAG): Folsäure ist unentbehrlich für die normale embryonale Entwicklung des Kindes. Broschüre, Letzte Änderung: 03.04.2014
Sie verlassen die Internetseite Prof. Dr. Helmut Heseker: Was sind Folate/Folsäure? Journalistenseminar der DGE 2007
Sie verlassen die Internetseite NHS Choices: Hair after Cancer Treatment, zuletzt aufgerufen am 27.3.2012
Sie verlassen die Internetseite Vitaminreich: Mehl für die Welt. Mühlenchemie GmbH & Co. KG
Sie verlassen die Internetseite Parästhesie. DocCheck Flexikon, aufgerufen am 20.8.2014
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014. 265. Auflage, 2013
Karl-Hein Bässler, Ines Golly, Dieter Loew, Klaus Pietrzik: Vitamin-Lexikon 2002
Prof. Dr. Ibrahim Elmadfa, Doris Fritsche: Unsere Lebensmittel, 2005
Encyclopaedia Britannica 2010

Ausführliche Quellenangaben



Startseite | Impressum |  Letzte Aktualisierung:  15.05.2016