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Niacin (Vitamin B3)

Niacin, auch als Vitamin B3 bezeichnet, zählt zu den wasserlöslichen Vitaminen. Unter dem Begriff Niacin werden sowohl die Nicotinsäure, wie deren Amide, das Nicotinamid und die biologisch aktiven Information Coenzyme NAD (Nicotinamid-Adenindinucleotid) und NADP (Nicotinamid-Adenindinucleotid-Phosphat) zusammengefasst. Früher wurde Niacin auch als "pellagra preventing factor" (PP-Faktor) bezeichnet, denn es verhindert den Ausbruch von Pellagra, eine bereits im Jahr 1763 vom Spanier Don Gaspar Casal beschriebene Mangelerkrankung. In Italien bekam sie ihren Namen, "pellisagra" heißt aus dem Lateinischen übersetzt "raue Haut", italienisch "Mal rosso". Pellagra breitete sich über Europa bis in den Süden Afrikas aus, nachdem Mais als Nahrungsmittel aus Amerika eingeführt wurde, ohne die traditionelle Zubereitungsweise mit zu importieren. Einheimische in Nord-, Zentral- und Südamerika hatten Maiskörner mit Kalk oder Holzasche behandelt, so erhöhte sich die biologische Verwertbarkeit des Niacins im Mais und sie erkrankten nicht an Pellagra. Zu Beginn des 20sten Jahrhunderts wurde noch vermutet, dass die Ursache für diese Krankheit ein Pilz sei, der auf Maispflanzen vorkommt. Eine andere These war, dass es sich bei Pellagra um eine Lebensmittelvergiftung handle, die durch verdorbenen Mais verursacht werde. Damals wurde noch eine Behandlung mit Arsen empfohlen. Erst 1937 entdeckte Professor C. Elvehjem in Experimenten mit erkrankten Hunden einen Zusammenhang zwischen der Besserung der Symptome und der Gabe von Nicotinsäure und Nicotinamid.

Wirkung

Niacin ist an der Synthese von Proteinen, Fetten und Aminosäuren beteiligt. Als wichtiger Bestandteil der Coenzyme NAD und NADP wird es im Energiestoffwechsel benötigt. Zusammen mit anderen B-Vitaminen wie → Folat/Folsäure, → Biotin und → Panthothensäure wird Niacin für eine gesunde Haut, Haare und Nägel benötigt.

Resorption und Verteilung im Körper

Nicotinsäure wird direkt im Dünndarm aufgenommen, während Nicotinamid in der Nahrung meist in Form ihrer Coenzyme NAD und NADP vorliegt, die vor der Resorption zunächst aufgespalten werden. Nicotinamid kann von Dünndarmbakterien in Nicotinsäure überführt werden, die dann ebenfalls aufgenommen wird. Gespeichert wird Niacin vorrangig in der Leber, aber auch in den Erythrozyten und im Gewebe. Diese Vorräte reichen etwa für 2-6 Wochen. 1961 wurde herausgefunden, dass die Aminosäure Tryptophan im Körper in Niacin umgewandelt werden kann, wobei 60 mg Tryptophan 1 mg Niacin ergeben. Demzufolge kann eine geringere Niacin-Zufuhr durch eine höhere Aufnahme an Tryptophan ausgeglichen werden. Aus diesem Grund wurden Niacin-Äquivalente eingeführt, so kann der Gehalt an Niacin und Tryptophan in Lebensmitteln miteinander verglichen werden → Umrechnung siehe Bedarf. Bei einem Vitamin-B6-Mangel verringert sich die Umwandlungsrate.

Vorkommen

Niacin kommt in der Natur sowohl in pflanzlichen wie auch in tierischen Lebensmitteln vor. In der Regel liegt Niacin in Pflanzen als Nicotinsäure vor, während in tierischen Nahrungsmitteln meist Nicotinamid zu finden ist. In tierischen Lebensmitteln kommt Niacin besonders in Schweine- und Rinderleber sowie inneren Organen wie Herz und Niere, aber auch in Fisch vor. Nicotinsäure tritt unter anderem in verschiedenen Getreidesorten auf, die Konzentration ist im Randbereich der Körner (Aleuronschicht → Weizen) besonders hoch. Die in Maiskörnern enthaltene Nicotinsäure ist so gebunden, dass sie ohne weitere Bearbeitung im Körper nicht verwertet werden kann. Werden Maiskörner aber beispielsweise geröstet oder mit Alkalien wie Kalk behandelt, kann auch die Nicotinsäure im Mais aufgenommen und es können Mangelerscheinungen verhindert werden.

Niacin-Gehalt von einigen Lebensmitteln

Lebens­mittel Niacin-Gehalt in mg pro 100 g
Schweine­leber 15,0
Corn Flakes (1) 15,0
Huhn 8,1
Lachs 7,2
Pfifferlinge (1) 6,5
Kalb­fleisch 5,8
Naturreis (1) 5,2
Voll­korn­brot mit Sonnen­blumen­kernen (1) 4,9
Hering 3,8
Erbsen 1,7
Kartoffeln 1,2
Möhren 0,6
Bananen 0,6
Weizen­mehl Type 405 0,8
Reis, geschält 0,5

Quelle: K.-H. Bässler, I. Golly, D. Loew, K. Pietrzik: Vitamin Lexikon, 2002
(1) Quelle: I. Elmadfa, D. Fritsche: Unsere Lebensmittel, 2005

Bedarf

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Säuglinge
0 – unter 4 Monate: 2 mg Niacin-Äquivalent/Tag (Schätzwert)
4 – unter 12 Monate: 5 mg Niacin-Äquivalent/Tag

Kinder
vom 1. – 3. Lebensjahr: 8 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 4. – 6 Lebensjahr: 9 mg Niacin-Äquivalent/Tag

Junge und Mann
vom 7. – 9. Lebensjahr: 11 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 10. – 12. Lebensjahr: 13 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 13. – 14. Lebensjahr: 15 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 15. – 18. Lebensjahr: 17 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 19. – 24. Lebensjahr: 16 mg Niacin-Äquivalent/Tag
25 Jahre – 64 Jahre: 15 mg Niacin-Äquivalent/Tag
65 Jahre und älter: 14 mg Niacin-Äquivalent/Tag

Mädchen und Frau
vom 7. – 9. Lebensjahr: 10 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 10. – 12. Lebensjahr: 11 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 13. – 24. Lebensjahr: 13 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 25. – 50. Lebensjahr: 12 mg Niacin-Äquivalent/Tag
vom 51. – 64. Lebensjahr: 11 mg Niacin-Äquivalent/Tag
65 Jahre und älter: 11 mg Niacin-Äquivalent/Tag

1 mg Niacin-Äquivalent = 60 mg Tryptophan.

World Health Organization (WHO)

Die WHO gibt die tägliche Niacinaufnahmemenge abhängig von der Kalorienzufuhr an. Für Erwachsene werden täglich 6,6 Niacin-Äquivalente pro 1000 kcal empfohlen; werden weniger als 2000 kcal aufgenommen, sollten mindestens 13 Niacin-Äquivalente zugeführt werden. Bei einer durchschnittlichen Kalorienaufnahme entspräche die Empfehlung 21,1 Niacin-Äquivalenten für einen Mann mit einer Energiezufuhr von 3200 kcal und 15,2 Niacin-Äquivalenten für eine Frau mit 2300 kcal. Für stillende Frauen empfiehlt das United States National Research Council eine zusätzliche Menge von 5,0 Niacin-Äquivalenten. Auch für Kinder ab dem 6. Lebensmonat lautet die Empfehlung 6,6 Niacin-Äquivalente pro 1000 kcal.

Vereinigtes KönigreichNational Health Service (NHS)

Der britische National Health Service (NHS) empfiehlt für Männer eine tägliche Niacin-Aufnahmemenge von 17 mg und für Frauen von 13 mg (Nicotinsäure und/oder Nicotinamid).

Mangelerscheinungen

Eine typische Mangelerkrankung ist Pellagra, die Krankheitserscheinungen werden durch die drei D's beschrieben: Dermatitis, Durchfall und Demenz. Bei der Dermatitis kommt es zu einer meist bräunlich-roten gefärbten Entzündung der Haut, besonders an Stellen, die der Sonne ausgesetzt sind, beispielsweise am Hals (Casal-Halsband) und an den Händen. Auch das Nervensystem kann betroffen sein, dies kann sich in Angst, Depression, Zittern (Tremor) und verminderten oder fehlenden Sehnenreflexen auswirken. Zu einem Niacinmangel kann es durch einseitige Ernährung mit nicht behandeltem Mais oder Hirse kommen. Eine weitere Ursache kann die mangelhafte Aufnahme von Niacin im Darm sein (Malabsorption).

Europäische Obergrenzen für Niacin

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für 16 Vitamine und Mineralstoffe Höchstmengen, die sogenannten "Tolerable Upper Intake Level" festgelegt. Für Niacin ist die Höchstmenge für einen Erwachsenen 10 mg Nicotinsäure (Sie verlassen die Internetseite http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-54633.html).

Quellen:

Sie verlassen die Internetseite Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, D-A-CH-Referenzwerte der DGE, ÖGE, SGE/SVE: Niacin
Sie verlassen die Internetseite NHS Choices: Vitamins and minerals - B vitamins and folic acid, letzte Überprüfung 26.11.2012
Sie verlassen die Internetseite PELLAGRA and its prevention and control in major emergencies, World Health Organization, 2000
Sie verlassen die Internetseite NHS Choices: Hair after Cancer Treatment, letzte Überprüfung 18.02.2015
Sie verlassen die Internetseite Pellagra. DocCheck Flexikon, aufgerufen am 12.8.2014
Pellagra. Meyers Großes Konversations-Lexikon, CD-Version (1905), S. 149125 (vgl. Meyer Bd. 15, S. 549)
Mörike, Betz, Mergenthaler: Biologie des Menschen, 1991
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014. 265. Auflage, 2013
K.-H. Bässler, I. Golly, D. Loew, K. Pietrzik: Vitamin Lexikon, 2002
Prof. Dr. Ibrahim Elmadfa, Doris Fritsche: Unsere Lebensmittel, 2005
Encyclopaedia Britannica 2010

Ausführliche Quellenangaben



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