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Zuckeraustauschstoffe (auch Zuckeralkohole oder mehrwertige Alkohole) haben den Vorteil, dass sie insulinunabhängig im Körper verarbeitet werden können. Aus diesem Grund wurden Zuckeraustauschstoffe früher in Diabetiker-Lebensmitteln eingesetzt. Ein zusätzlicher Vorzug von Zuckeraustauschstoffen ist, dass sie im Gegensatz zu Haushaltszucker keine Karies bei Zähnen fördern. Unter anderem deshalb wird beispielsweise Xylit gerne in Zahnpflege-Kaugummis verwendet. Andere Zuckeraustauschstoffe kommen in „zahnschonenden“ Süßigkeiten zum Einsatz. Zu den Zuckeraustauschstoffen zählen Sorbit, Mannit, Xylit, Isomalt, Maltit, Lactit, Polyglycitolsirup und Erythrit. Sorbit wird mithilfe von Enzymen aus Glukose hergestellt, Mannit aus Mannose und Xylit aus Xylose, Holzzucker oder Glucose. → Fruchtzucker (Fruktose) gilt auch als Zuckeraustauschstoff, nimmt aber in dieser Rubrik eine Sonderstellung ein, da es zwar eine geringe Insulinausschüttung verursacht als Glucose, aber kein Zusatzstoff ist. Deshalb wurde der Fruktose keine E-Nummer zugeordnet [4, 5, 8, 12, 13, 14, 15].
Zuckeraustauschstoffe sind kalorienreduziert, da sie aber oftmals eine geringere Süßkraft als Zucker haben, ist durch die größere Menge des eingesetzten Zuckeraustauschstoffes der Kaloriengehalt der Speisen ähnlich wie bei der Verwendung von Zucker. Beispiel: → Sorbit hat einen Brennwert von 10,05 kJ/g (= 2,4 kcal/g) und liegt damit deutlich unter dem von Haushaltszucker mit 16,75 kJ/g (= 4,0 kcal/g). Die Süßkraft ist aber um 40 % niedriger als bei Zucker. Um die gleiche Süße zu erreichen, muss also fast die doppelte Menge eingesetzt werden, was einem Energiegehalt von 16,75 kJ (4,0 kcal) entspräche.
Für den Einsatz in Bio-Lebensmitteln sind Zuckeraustauschstoffe nicht zugelassen [7].
In der EU wird bei den Lebensmittelzusatzstoffen nicht zwischen Süßstoffen (intense sweetener) und Zuckeraustauschstoffen (bulk sweetener) unterschieden, sondern beide unter dem Begriff „Süßungsmittel“ zusammengefasst. Seit dem 13. Dezember 2014 gilt diese Regelung auch in Deutschland [1]. Lebensmittel, die Süßstoff oder Zuckeraustauschstoff enthalten, müssen den Hinweis „mit Süßungsmittel(n)“ tragen [5].
Ein Nachteil von Zuckeraustauschstoffen ist, dass sie bei übermäßigem Verzehr abführend wirken und zu Bauchschmerzen und Blähungen führen können. Aus diesem Grund müssen Lebensmittel mit einem Anteil von mehr als 10 % an Zuckeraustauschstoffen den Warnhinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ tragen [5].
Zurzeit sind in der Europäischen Gemeinschaft 22 Süßungsmittel zugelassen. Acht der Süßungsmittel zählen zu den Zuckeraustauschstoffen [7].
| E-Nummer | Energie | Süßkraft in Prozent | |
|---|---|---|---|
| Haushaltszucker (Saccharose) | 4,0 kcal pro g | 100 | |
| Sorbit | E 420 | 2,4 kcal/g | ca. 60 |
| Mannit | E 421 | 2,4 kcal/g | ca. 60 |
| Isomalt | E 953 | 2,4 kcal/g | 45 bis 65 |
| Polyglycitolsirup | E 964 | 2,4 kcal/g | 25 bis 50 |
| Maltit | E 965 | 2,4 kcal/g | 75 bis 90 |
| Lactit | E 966 | 2,4 kcal/g | 30 bis 40 |
| Xylit (Birkenzucker) | E 967 | 2,4 kcal/g | 100 |
| Erythrit | E 968 | 0 | 60 bis 70 |
Tabelle 1: Süßkraft verschiedener Zuckeraustauschstoffe [2, 3]
Maltit kann in der Zutatenliste auch als Maltitsirup oder Maltesirup deklariert werden.
Abbildung 1: Zutatenliste auf Bonbons
Der ADI-Wert gibt die tägliche akzeptable Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake, ADI) an, die auch dann noch als gesundheitlich unbedenklich gilt, wenn die Menge ein ganzes Leben lang aufgenommen wird. Die akzeptable Menge wird in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Laut Verbraucherzentral Hamburg wurden für die hier angeführten Zuckeraustauschstoffe keine ADI-Werte festgelegt. Allerdings werden zurzeit einige Zuckeraustauschstoffe neu bewertet [7].
Natürlich kommt Fruchtzucker in Früchten und Honig vor und ist Bestandteil des Haushaltszuckers. Der Energiegehalt ist genauso hoch wie der von Haushaltszucker, allerdings ist die Süßkraft im Vergleich zu Haushaltszucker etwas höher (120 %) [3].
Fruktose wurde viele Jahre lang als Süßungsmittel für Diabetiker empfohlen, da Fruktose insulinunabhängig in den Zellen aufgenommen wird [6]. Trotz einiger positiver Aspekte kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu dem Schluss, dass Fruktose keine Vorteile gegenüber herkömmlichem Zucker hat. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Auftreten bestimmter Krankheiten und dem Genuss von Fruchtzucker ist schwer nachzuweisen. Viele Untersuchungen weisen aber darauf hin, dass die Aufnahme von hohen Fruchtzuckermengen starkes Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) fördern und das Auftreten des metabolischen Syndroms begünstigen kann. Beim metabolischen Syndrom treten Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz gleichzeitig auf. Das BfR rät davon ab, Nahrungsmittel für Diabetiker mit Fruchtzucker zu süßen [4].
Sorbit, häufig auch als Sorbitol oder D-Glucitol bezeichnet, wurde 1868 erstmals in Früchten der Eberesche entdeckt. Seit 1929 wird Sorbit als Zuckerersatz verwendet. Natürlicherweise kommt Sobrit z. B. in Früchten wie Äpfeln, Birnen, Kirschen, Aprikosen und Pfirsichen oder auch Gemüse wie Weißkohl und Hülsenfrüchte vor. In der Lebensmittelproduktion ist der Zusatzstoff als Feuchthaltemittel, Füllstoff und Süßungsmittel im Einsatz. So kommt Sorbit beispielsweise in zuckerfreien Süßwaren, Kaugummis, Speiseeis und Desserts, Soßen sowie Senf vor. Wie bei allen Zuckeralkoholen können größere Mengen abführend wirken. Aus diesem Grund sollten pro Portion nicht mehr als 20 g und pro Tag nicht mehr als 50 g verzehrt werden [9, 10, 11, 12].
Bundesinstitut für Risikobewertung (2025): Süßungsmittel in Lebensmitteln – Ausgewählte Fragen und Antworten. Zugriff am 23.09.2026
[1]
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Bewertung von Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen, Information des BfR vom 1. Juli 2014
[2]
Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e. V. (2026): Zucker und Süßungsmittel – Übersicht Zuckeraustauschstoffe. Zugriff am 23.09.2026
[3]
VerbraucherService Bayern im KDFB e. V. (Hrsg.) (2020): Fruchtzucker - eine umstrittene Süße. Zugriff am 02.10.2026
[4]
Bundesinstitut für Risikobewertung:
Erhöhte Aufnahme von Fruktose ist für Diabetiker nicht empfehlenswert, Stellungnahme Nr. 041/2009 des BfR vom 06. März 2009
[5]
Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände - Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv): Süße Zusatzstoffe: Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe. Zugriff am 23.09.2026
[6] Hans Konrad Biesalski, Peter Grimm, Susanne Nowitzki-Grimm: Taschenatlas Ernährung, 2017
[7]
Verbraucherzentrale Hamburg (Hrsg.) (2026): Süßungsmittel – Süße ohne Reue? Zugriff am 23.09.2026
[8]
Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG (Hrsg.) (2026): Wie gesund ist Xylit? Vorteile und Risiken im Überblick. Zugriff am 01.10.2026
[9]
Heike Bauer (2000): Herstellung und Charakterisierung von Kombinationen aus Mannit und Sorbit durch Sprühtrocknung und Co-Granulation (Dissertation). Zugriff am 02.10.2026
[10]
Deutsches Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik e. V. (Hrsg.): Ernährungslexikon ─ Sorbit. Zugriff am 02.10.2026
[11]
REWE Markt GmbH (Hrsg.): Sorbit und Sorbitintoleranz: Infos und Wissenswertes. Zugriff am 02.10.2026
[12]
snoopmedia GmbH (Hrsg.): E 420 – Sorbit/Sorbitsirup. Zugriff am 02.10.2026
[13]
AOK-Bundesverband eGbR (Hrsg.) (2024): Zucker oder Zuckerersatz: Was ist gesünder? Zugriff am 02.10.2026
[14]
snoopmedia GmbH (Hrsg.): E 967 – Xylit. Zugriff am 02.10.2026
[15]
snoopmedia GmbH (Hrsg.): E 421 – Mannit. Zugriff am 02.10.2026
Zuckeraustauschstoffe: Krank von Kaugummi, test 03/2008