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Reinigung und Desinfektion

Reinigen ist das Entfernen von unerwünschten Substanzen, z. B. Lebensmittelreste oder Schmutz, von Oberflächen, Geräten oder Vorrichtungen, ebenso wie das Beseitigen von Verschmutzungen in Räumen. Desinfektion bedeutet Mikroorganismen durch Abtöten, bzw. Inaktivieren oder Entfernen auf ein solches Maß zu reduzieren, dass von ihnen keine Gefahren für Menschen mehr ausgehen können. Desinfiziert werden kann chemisch oder physikalisch. Bevor eine Oberfläche desinfiziert werden kann, muss sie gründlich gereinigt werden. Desinfiziert werden kann chemisch oder physikalisch.
Davon abzugrenzen ist die Sterilisation, die bedeutet, etwas vollständig keimfrei zu machen.

Deutschland: Listen der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren können als PDF-Datei heruntergeladen werden Sie verlassen die Internetseite Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren. Eine weitere Desinfektionsmittel-Liste wird vom Verbund für angewandte Hygiene e.V. (VAH) herausgebracht (Sie verlassen die Internetseite http://www.mhp-verlag.de/de/vah_liste/). Für den Lebensmittelbereich gibt es eine Sie verlassen die Internetseite Desinfektionsmittelliste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG), die ebenfalls als PDF-Datei zur Verfügung steht.
Österreich: Sie verlassen die Internetseite Expertisenverzeichnis der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin (ÖGHMP).
Schweiz: Sie verlassen die Internetseite Desinfektionsmittel, Bundesamt für Gesundheit BAG

→ Informationen zur Reinigung und Pflege von Räumen
Händedesinfektion

Chemisch

Desinfektionsmittel können nach der Art der Verwendung in Grob- (für Gegenstände) und Feindesinfektionsmittel (z. B. für die Handdesinfektion) unterschieden werden. Die dritte Kategorie beinhaltet die Desinfektion von Raumoberflächen und der Raumluft.

Wirkstoffgruppen

Eingesetzt werden unter anderem:

Alkohole (z. B. Propanol und Ethanol),
Aldehyde und Derivate (z. B. Formaldehyd),
Phenol und Phenolderivate (z. B. Thymol),
Perverbindungen (z. B. Peressigsäure),
Oxidanzien (z. B. Ozon und Wasserstoffperoxid),
Halogene (z. B. Chlor, Iod, Brom).

Bei der Wahl des Desinfektionsmittels ist nicht nur das Anwendungsgebiet, sondern auch die Art der Mikroorganismen ausschlaggebend. Das Robert Koch-Institut hat eine Einteilung in vier Wirkungsbereiche eingeführt, die jeweils mit einem Großbuchstaben bezeichnet werden. So können Bakterien, Mykobakterien, Pilze und Pilzsporen (A) mit anderen Mitteln abgetötet werden als Viren (B) oder Sporen des Milzbranderregers (C) oder Sporen der Erreger von Gasödem und Wundstarrkrampf (D).
Bei der Verwendung von Desinfektionsmittel sind die Konzentration und die Einwirkzeit zu beachten. Die Anforderungen an Desinfektionsmittel sind durch die DIN EN 14885 "Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika - Anwendung europäischer Normen für chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika" geregelt.

Physikalisch

Durch Verbrennen, Dampfdesinfektionsverfahren, Auskochen, Spülen mit heißem Wasser, Pasteurisieren, Ultrahocherhitzen, thermische und chemo-thermische Waschverfahren (→ Informationen zur Wäschedesinfektion), Lebensmittelbestrahlung, keimfreie/keimarme Filtration.

Thermische Verfahren

Hier sind die Höhe der Temperatur und die Einwirkzeit ausschlaggebend. So können beim Auskochen (100 °C) bei einer Einwirkungszeit von mindestens 3 Minuten sowohl Bakterien, Mykobakterien, Pilze und Pilzsporen (A) abgetötet sowie Viren (B) inaktiviert werden. Für die wirkungsvolle Abtötung der Sporen des Milzbranderregers (C) sind mindestens 15 Minuten notwendig.

Lebensmittelbestrahlung

Nach der Lebensmittelbestrahlungsverordnung dürfen in Deutschland nur getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze mit Elektronen-, Gamma- und Röntgenstrahlen behandelt werden. Die Gewürze müssen mit der Angabe "bestrahlt" oder "mit ionisierenden Strahlen behandelt" gekennzeichnet werden. Die Bestrahlung mit ultravioletten Strahlen zur Entkeimung ist zugelassen für Trinkwasser, für die Oberfläche von Obst- und Gemüseerzeugnissen und für Hartkäse bei der Lagerung (→ Konservierung von Lebensmitteln).

Keimfreie Filtration

Mikroorganismen werden durch Filtration aus Flüssigkeiten und Gasen entfernt. Je nachdem wie groß die Poren in den Filtern sind, können Bakterien, Sporen oder Viren zurückgehalten werden.

Prüfung des Reinigungs­ergeb­nisses

Visuelle Kontrolle

Mit bloßem Auge lässt sich das Reinigungs­ergebnis beurteilen. Sind auf den Oberflächen, in Ecken, Fugen oder Rillen noch Verunreinigungen zu erkennen? Ist die Oberfläche streifenfrei und keine Reinigungsmittel­rückstände mehr zu erkennen?

Protein­nachweis­methode

Proteine übernehmen wichtige Funktionen in lebenden Zellen. Der Nachweis deutet auf organische Rückstände oder auch Substanzen hin, die Allergien und Unverträglichkeiten auslösen können (→ Lebensmittelkennzeichnung). Eine Möglichkeit des Protein­nachweises ist der Schnelltest mit Clean Card® PRO. Bei dieser Methode wird die zu prüfende Oberfläche mit sauberem Wasser angefeuchtet, anschließend mit der Clean Card (Abbildung 1) darüber gerieben und danach 30 sec. gewartet.

Clean Card

Abbildung 1: Clean Card

Sind Proteine auf der Oberfläche vorhanden, verfärben sich die Felder auf der Clean Card von blass-gelb in grün oder blau. Durch den Vergleich der Farbe von der Clean Card mit der beiliegenden Farbkarte, kann das Reinigungs­ergebnis überprüft werden (Abbildung 2).

Vergleich mit der Farbkarte

Abbildung 2: Beurteilung des Reinigungs­ergebnisses

Eine erste Farbreaktion (gelber Smiley) tritt nach Aussage des Herstellers bei Protein­mengen zwischen 25-50 μg/100 qcm auf [5]. Einige Rückstände von Reinigungs- oder Desinfektions­mitteln führen ebenfalls zu einem Farbumschlag. Es liegt bei einem gelben Smiley im Ermessen der Einrichtung, ob eine weitere Nass­reinigung oder Nachspülen durchgeführt wird. Beispiele für andere Proteintests sind: „Easy Check®“ der Firma Transia und „AccuClean®“ der Firma Neogen. Diese Tests beruhen auf der Biuret-Reaktion, bei der Proteine mit einer alkalischen Lösung mit Kupfer reagieren [2]. Der entstandene Komplex färbt die Lösung violett [3].

Farbtest auf Basis von NAD, NADH, NADP und NADPH

Mit diesem Test können organische Rückstände auf Oberflächen nachgewiesen werden. NAD (Nicotin­amid­adenin­dinukleotid) und NADH sowie die Phosphate NADP und NADPH (Nicotin­säureamid-Adenin-Dinukleotid-Phosphat) sind in allen lebenden Zellen vorhanden, also auch in Mikroorganismen sowie Lebensmitteln. Der Nachweis wird durch einen Farbumschlag eines Teststäbchens oder Teststreifen erbracht.

Lumineszenz­test auf Basis von Adenosin­triphosphat (ATP)

ATP ist ein wichtiger Energielieferant in der Zelle. Durch den Nachweis von ATP können Rückschlüsse auf die Existenz organischer Substanzen gezogen werden. Erstmals kam das ATP-Biolumineszenz­verfahren in den sechziger Jahren zum Einsatz. Es diente Wissenschaftlern der NASA dazu Leben auf anderen Planeten nachzuweisen [1]. Bei der Methode wird Luciferin des Leuchtkäfers durch das Enzym Luciferase oxidiert. Das ATP liefert die Energie für diese Reaktion. Dabei wird Licht abgestrahlt, das mit einem entsprechenden Messgerät (Luminometer) gemessen werden kann. Die Ergebnisse der Messungen können durch Rückstände von Desinfektionsmitteln beeinflusst werden [1].

Prüfung des Desinfektions­ergebnisses

Abstrich- oder Abwisch­verfahren (nach DIN 10113-1 und DIN 10113-2)

Bei dem Verfahren wird mithilfe von Tupfern die zu prüfende Oberfläche abgewischt. Hierbei kann ein trockener Tupfer (Einfachtupfer­verfahren, semiquantitativ) oder zwei Tupfer, von denen einer befeuchtet und einer trocken ist, verwendet werden (Nass-Trockentupfer-Technik, quantitativ). Nach dem Abstrich wird bei der Nass-Trockentupfer-Technik der Inhalt der Tupfer in eine sterile Verdünnungslösung übertragen. Darüber hinaus kann eine Verdünnungsreihe hergestellt werden. Mit der Lösung wird ein Nährmedium beimpft und danach im Wärmeschrank bebrütet (Inkubation). Durch die Wärme vermehren sich die Mikro­organismen schneller (→ Gefahren für Lebensmittel). Nach der Inkubation werden die Keime gezählt. Bei dem Einfachtupfer­verfahren wird nur ein trockener Tupfer verwendet [1] [4].

Abdruck- oder Abklatsch­verfahren

Bei diesem Verfahren kommt die zu prüfende Oberfläche direkt oder indirekt mit einem festen Nährmedium in Kontakt. Die übertragenen Mikroorganismen vermehren sich während der Inkubation auf dem Nährmedium und können anschließend als Kolonien gezählt werden.

Direktes Verfahren: Bei dem direkten Verfahren wird eine Abklatschplatte geöffnet und das Nährmedium direkt auf die zu testende Oberfläche gedrückt, wieder verschlossen und beschriftet. Als Abklatsch­platte kommen beispielsweise RODAC-Platten zum Einsatz (RODAC = Replicate Organism Detection and Counting) [4].
Indirektes Verfahren: Bei diesem Verfahren wird zunächst eine sterile Folie, ein Klebestreifen oder ein Metallgegenstand auf die zu testendende Oberfläche gedrückt und anschließend die Mikroorganismen auf einen Nährboden übertragen. Dieses Verfahren soll nur noch selten zum Einsatz kommen.

Sowohl beim Abstrich- als auch beim Abklatschverfahren müssen die Proben in ein Labor eingesandt werden.


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Interessante Links

Sie verlassen die Internetseite Nationale und internationale Listen zur Desinfektion, Robert Koch-Institut
Sie verlassen die Internetseite Verbund für angewandte Hygiene e.V.
Sie verlassen die Internetseite Europäische Normen für chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika nach DIN EN 14885 für die Bereiche Lebensmittel, Industrie, Haushalt und öffentliche Einrichtungen sowie für den Veterinärbereich

Quellen:

[1] Sie verlassen die Internetseite Michaela Trautsch (2003): Eignung eines neuen Schnelltests zur Prüfung der Oberflächenreinheit im Rahmen betrieblicher Eigenkontrollen in Lebensmittelbetrieben. Zugriff am 29.9.2016
[2] Sie verlassen die Internetseite Heike Reichelt (2007): Bedeutung von Schnelltestmethoden im Rahmen der Lebensmittelkontrolle - eine Übersicht. Zugriff am 29.9.2016
[3] Sie verlassen die Internetseite CHEMIE.DE Information Service GmbH (Hrsg.): Biuretreaktion. Zugriff am 29.9.2016
[4] Sie verlassen die Internetseite QS Qualität und Sicherheit GmbH (Hrsg.): Arbeitshilfe - Leitfaden Bearbeitung Obst, Gemüse, Kartoffeln: Mikrobiologie und Probenahme. Version: 01.01.2016 (Stand 01.11.2012). Zugriff am 29.9.2016
Sie verlassen die Internetseite Merck KGaA: HY-RiSE® NAD-Schnellnachweiskit. Zugriff am 29.9.2016
Sie verlassen die Internetseite Merck KGaA: HY-LiTE® 2 ATP-Schnellnachweissystem. Zugriff am 29.9.2016
Sie verlassen die Internetseite Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren
Sie verlassen die Internetseite Informationsblatt zur Desinfektionsmittel-Liste des Robert Koch-Institutes gemäß §18 IfSG
Sie verlassen die Internetseite Bestrahlung von Lebensmitteln, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, aktualisiert 01.03.2012
Sie verlassen die Internetseite Verordnung über die Behandlung von Lebensmitteln mit Elektronen-, Gamma- und Röntgenstrahlen, Neutronen oder ultravioletten Strahlen (Lebensmittelbestrahlungsverordnung – LMBestrV), Ausfertigungsdatum: 14.12.2000
Sie verlassen die Internetseite Christina Hacker: Bestrahlte Kräuter und Gewürze auch in Deutschland zugelassen, Umweltinstitut München e.V., Mitgliederzeitschrift Umweltnachrichten Ausgabe: 95/02
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2011, 262. Auflage, 2010
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2011, 265. Auflage, 2014
E. Kirst, K.D.Schmidt: Lexikon Reinigung und Desinfektion im Lebensmittelbereich, 2011
[5] Dr. Barbara Hildebrandt: Schnelle Reinigungskontrolle - ein ergänzender Baustein u. a. im Allergenmanagement. amfora health care GmbH.

Ausführliche Quellenangaben



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